Ehre ist das unantastbare Bewusstsein der geistigen und moralischen Eigenständigkeit und der daraus sich bildende und sich stärkende Wille, sich nicht benutzen zu lassen, sondern aus eigenem Entschlusse zu handeln.
Wer Ehre hat, nimmt keinen Sold und keinen Lohn, sei dieser noch so hoch.
Diesem Bewusstsein entpricht die Pflicht, keine anderen Menschen zu benutzen, zu Nichts und unter keiner Versprechung, Verheissung und Bedingung.
Höchste Ehre spottet gar des Hungers.
Des Freien Ehre spottet wenigstens jeder Verlockung und Verheissung - nicht nur auch sondern ganz besonders und erst recht aller himmlischen und jenseitigen! Nur Verührer können Jenseitiges verheissen. Wer Ehre hat, traut seinen eigenen Sinnen. Er kann das, weil er sie im unverkrampft freudigen Spiel mit ihnen bändigt und zäumt.
Ehre ist auch Abscheu gegenüber jeder Art Opferung von Rechten und Zeit anderer, die einem Individuum um seinet wegen zustehen müssen, wenn man es als gleichberechtigtes Geschöpf und als Schicksalsgenosse achten und sich nicht aus gekünstelten Gründen über es erheben und empören will. Ehre ist Verzicht auf Herrschaft und Dienstboten.
Ehre hat nichts mit Rechthaberei und schon gar nichts mit Wohltätigkeit zu tun. Die Ehre ist aller Abhängigkeit abhold.
Ehre ist bestrebt, aufzurichten und zur Freiheit zu ermutigen. Die Wohltätigkeit aber wird zum Ablass für Ehrlosigkeit. Sie muss, kann aber nie wieder gut machen, was Missachtung und Misshandlung angerichtet.
Verspielte, verluderte und verprasste Ehre endet in Elend.
Daraus wird deutlich, wie viele und wie sehr Verhältnisse und Beziehungen auf den privaten wie auch auf den öffentlichen Ebenen heute essentiell nicht weniger ehrlos sind, als sie es schon seit Menschen gedenken waren, unabhängig von sog. freiheitlichen, demokratischen und sozialen Ideologisierungen der Kollektivität und trotz wissenschaftlicher, technischer, logistischer und administrativer Errungenschaft und Perfektion. Das Kollektive der Massen ist der Ehre Grab.
Die Ehrlosigkeit ist das vornehmste Merkmal der Barbarei.Kommentare
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