2009-03-29

18 Stationen auf dem Weg in die Leibeigenschaft

Von glaukothyr @ 15:01 [ 010 Mutmasslich Gleichgesinnte ]
WER DIE individuelle Autonomie und  FREIHEIT NICHT EHRT
IST DIE von Besserwissern, -könnern und -wollern verprochene SICHERHEIT oder das Heil NICHT WERT,
die bzw. das eine(r) durch bereitwilliges Opfern jener (wegen der von derselben geforderten Anstrengung zu gering geschätzten) zu erlangen bzw. gewährt zu erhalten hofft, ganz gleichgültig, ob das Besser Wissen, Können und Wollen ein von
  • Kapitalisten,
  • Monetaristen
  • Sozialisten,
  • Chartisten
  • Idealisten,
  • Kreationisten,
  • Nihilisten,
  • Materialisten,
  • Rationalisten,
  • Kartesianisten,
  • Existentialisten,
  • Fundamentalisten,
  • Anarchisten,
  • Christen oder Antichristen,
  • Islamisten, Budhisten, Synkretisten
  • u.s.f. (Liste beliebig verlängerbar)

angemasstes ist.

Er handelt ein bisschen wie jemand, der statt sein Geld für ein unscheinbar kleines Stück echten, währenden Goldes zu sparen und geben, bei jeder Gelegenheit wertlos golden Scheinendes billig kauft, das seinen Glanz und sein trügerisches Ansehen rasch verliert. Er/sie begnügt sich mit augenblicklicher Illusion und steht am Ende verdingt, besitz- und rechtlos da.

Privatbesitz, Privateigentum und Privatautonomie sind mit zunehmender Vernetzung und damit einhergehender Intransparenz kollektiver Systeme unverzichtbare Grundausrüstungen des Einzelnen zur Selbstbehauptung und Abgrenzung gegenüber dem anonym und zunehmend nur noch über Symbole gegenüber dem Einzelnen und Vereinzelnden auftretenden Hochleistungskollektiv. Es geht hier anders, als es scheinen mag, nicht um einen Gegensatz zwischen Individualität und Kollektivität sondern gerade im Gegenteil zur Verhinderung, dass beides in Gegensätzlichkeiten zueinander zerfällt und sich zu einer unansehnlichen Masse zersetzt. Die gegenseitige Bedingtheit von Individualität und Kollektivität ist zwar auch aber nicht nur und nicht in erster Linie eine logische und technische Notwendigkeit, aber sie ist kein von Natur gegeben kontinuierlicher und stabiler Zustand, sondern ein unablässig neu zu erspürendes und zu erfindendes, höchst prekäres Gleichgewicht.

Den Sozialismus mit der Argwohn und Missgunst gegenüber dem Privateigentum und -besitz und gegenüber privater Autonomie, den Kapitalismus mit einzig zuverlässiger Garantie für eine Art Privatsouveränität und so mit nachhaltig 'gesicherter(!)' Freiheit gleichzusetzen, muss, allerspätestens seit den gloriosen 'Schlussbilanzen' der letzten Monate, als zu kurz greifend beurteilt werden.

Die Unfreiheit der Vielen ist u.a. auch ziemlich direkt durch die Grenzenlosigkeit der Freiheiten verursacht oder bedingt, die sich die Wenigen herausnehmen und erlauben,  deren Eigentum mengenmässig unmenschliche Proportionen zu dem, was sie zum Wohle der Vielen aus persönlich eigener Kraft und Befähigung überhaupt zu bewerkstelligen im Stande sind. Was die Fehler im Entscheiden und Handeln dieser Wenigen der ganzen Menschheit insgesamt an Katastrophen und Leid zu bereiten vermag, füllt die Geschichtsbücher und steht erneut zu erfahren bevor.

Privateigentum, -besitz und -autonomie müssen auf eine Bandbreite zwischen klar als Grundrecht definiertem, quantitaiv nicht unterschreitbarem, und von kategorisch unantastbaren Grundrechten ergänztem Minimum und einem der Natur allen Angewachsenen und Angehäuften angemessenen, funktionalen Maximum der Nutzungsfreiheit eingeschränkt werden. (Hier muss wegen der faktischen Ungleichheit der Verhältnisse und der daraus entstehenden Verantwortung für deren Auswirkungen auf die übrigen Rechtsgenossen mit ungleichen Kriterien und Massen gearbeitet werden. Nicht das gleiche Mass, sondern dass die Unterschiedlichkeit der Masse und Kriterien beiden Seiten  verständlich und von ihnen anerkannt ist und die gleiche Strenge der Anwendung der Regeln für die einen einerseits, der Regeln für die andern andererseits, schaffen hier die Gleichheit in der Anwendung ein und desselben Rechts. - Allerdings, damit von 'ein und demselben statt von zweierlei Recht die Rede sein kann und darf, muss es gegenseitig von den davon unterschiedlich Betroffenen als Recht gebilligt und anerkannt,  nicht durch Zwang oder Lug und Trug von der einen gegen die andere Seite  erwirkt sein.  Überdies muss der Richter zum Urteil über evt. Missbrauch der Unterschiedlichkeit befugt sein und  die betreffende Aktivlegitimation zur Klage so bestimmt sein, dass  Gewähr für Beurteilung solchen Missbruchs besteht.) Mit zunehmender Reich- und Tragweite, die Eigentum und Besitz mit quantitavtiver Zunahme erlangen, werden diese von der Grundausrüstung zur Wahrung gleicher Rechte unter Gleichen zur Möglichkeit, andere, vor allem an Eigentum und Besitz Unterlegene, in der Ausübung ihrer Eigentums-, Besitz- und Freiheitsrechte zu beeinflussen, sie zu Verzichten zu bewegen oder gar zur de facto Aufgabe ihrer Rechte zu zwingen. (besonders in der Illicit Economy).

Die Eigentumsgarantie kann in einer echten Demokratie keinen Anspruch auf Erwerb,  Behauptung und Nutzung privater, königtumartiger Herrschaftsbereiche und Rechtsausnahmen begründen, die die elementare Eigentumsgarantie und die Freiheitsrechte des Einzelnen für den Einzelnen so wirkungs- und bedeutungslos werden lassen, dass z.B. gesunde Lebens-, Arbeits- und Erwerbsbedingungen zu Privilegien für Begüterte werden. Die individuelle Arbeitskraft und die körperliche und seelische Gesundheit bedürfen eines Schutzes, der der Garantie von Eigentum und Besitz geleichgestellt sein müssen, wenn der Begriff der Menschenwürde griffig und praktikabel sein soll. Dieser kann von der grundlegenden Absicht einer Schaffung von Rechtsgleichheit, die Demokratie erst sinnvoll macht und legitimiert, unmöglich losgelöst bestehen.

Der Grundsatz, dass Eigentum verpflichte, muss wieder in Erinnerung gerufen und endlich als Teil moderner, befriedeter und befriedender Kollektivität weiter entwickelt werden. Zum letzten Mal ist er im Deutschen Grundgesetz Art. 14 Abs. 2 formuliert und dann allmählich erst totgeschwiegen und schliesslich vergessen worden. Dass Eigentum nicht nur eine privatrechtliche  Angelegenheit sei, sondern in Beziehung zum sog. Allgemeinwohl stehend und eben auch tragendes Element der Organisation des Kollektiven sei, ist dort angedacht.

Das 'Allgemeinwohl' selbst ist aber begrifflich und als kollektive Vorstellung noch sehr unentwickelt; es ist ein politisches Propagandawort geblieben. Sowohl der Kapitalismus alsauch der Sozialismus haben versucht, dieses 'Allgemeinhwohl' relativ unverbindlich anhand statistischer Messungen und Messvergleiche zu definieren. Das Verhältnis zwischen Eigentums-, Autonomie- und Freiheitsgarantieen für den Einzelnen einerseits und 'Allgemeinwohl' andererseits ist nur  karg und spröde erörtert. Keine der beiden sich voller Argwohn gegenüberstehenden Denkschulen (Kapitalismus und Sozialismus) hat zu verhindern vermocht, was nun eingetreten ist und sehr deutlich zeigt, dass 'Allgemeinwohl' nicht mit Theorieen und deren Rechtfertigungen für Rücksichtslosigkeiten gegenüber dem Einzelnen und gegenüber Minderheiten zu Gunsten 'schweigender Mehrheiten' bzw. irregeführter Wählerschaften beschwört werden kann.

Der Begriff des 'Allgemeinwohls' stammt aus einer Zeit, in welcher Vieles, was heute Alltag ist, nicht für möglich oder auch nur denkbar gehalten worden ist. Er war wohl schon damals etwas naïv und auf zu wenige und zu wenig klar bezeichnete Kriterien abgestützt. Falls es überhaupt je eine 'Allgemeinheit' einerseits, ein 'Wohlergehen' derselben anderseits im Sinne von Art 14 des Grundgesetzes gab (was heute nicht mehr zur Debatte steht), kann die heutige Wirklichkeit von Kollektivität (die heute überwiegend eine fremdzweckbestimmte ist und die überdies seit eh und je nie eine vom einzelnen aus dessen freien Willen gewählte war) nicht mehr ohne grobe Verkennung leicht zu beobachtender und nachzuweisender Verhältnisse, Bedingungen und Wirkungen von einer Art personifizierbarem Phänomen des 'Allgemeinen' und 'allgemein Wünschbaren', 'allgemein Notwendigen', 'allgemein Bedrohlichen' usf. die Rede sein, wiewohl immer noch viele Politiker so reden, als ob das so sei. Vielmehr sind sind in manchen Belangen des - vielleicht unzweckmässig und aus reinen Machtansprüchen gewisser Gruppierungen heraus - zur 'Allgemeinheit' Erklärten sehr stark polarisierenden Kraftentwicklungen unterworfen.

 

 


2008-12-12

"Vertrauen"

Von glaukothyr @ 13:14 [ 010 Mutmasslich Gleichgesinnte ]

2008-08-02

Mitleid ist die Schwester des schlechten Gewissens

Von glaukothyr @ 13:29 [ 010 Mutmasslich Gleichgesinnte ]

Mitleid ist die Schwester des schlechten Gewissens.

Die Eltern dieser beiden heissen Angst und Kleinmut auf hohem Rosse.

(Inspiriert von Friedrich Nietzsche's Zarathustra IV "Der Hässlichste Mensch" und "Das Zeichen", wo der alte Wahrsager das Mitleid als Verführtsein zur Not der andern blossstellt.)

Dieses Mitleid hat Nichts mit Liebe zu tun. Es betäubt sie. Es bringt die Frage nach dem eigenen Anteil am Leid der Andern und nach der Mitverantwortung daran zum Schweigen. Die Antwort auf diese Frage ist nur mit harter und unablässiger eigener Arbeit, die sich selber über ihren Werken vergisst, und nur alleine und für sich alleine zu finden. Sie konfrontiert unbarmherzig mit eigenen Schwächen, zwingt zur Korrektur des Selbstbildes und zu weiterer Arbeit i.S. des Entwickelns und Schaffens.

Man hüte sich in diesem Punkt vor vermeintlich "Gleichgesinnten". Jeder ist für diese Antwort allein und für sich selbst verantwortlich. Niemand, und 'Gott' zuletzt, sollen sich einmischen! Gott wird erst hinter dieser Antwort göttlich. Alles davor ist bloss Götze. Und keiner predige und verkündige andern die Antwort, die allein für ihn Gültigkeit hat!

Es gibt wohl die Flucht vor dieser Arbeit und deren Ergebnis. Die heutzutage bevorzugtesten Fluchtwege sind die organisierte Wohltätigkeit und die damit oft Hand in Hand gehende Anklage angeblich, vordergründig und scheinbar an der Not der Bemitleideten Schuldiger. "Schuldig" sind ausnahmslos Alle oder Keiner.

Vor sich selbst aber gibt es kein Entrinnen. Das Gewissen ist zeitlos und was dem Eiligen und Bequemen ein Warten oder eine Ferne, ist dem Geist ein Augenblick und ein halber Schritt.

Mitleidlosigkeit ist zu unterscheiden von Teilnahmslosigkeit, Verachtung,  Rücksichtslosigkeit, Gnadenlosigkeit und Grausamkeit.

 

 

 

 

 


2008-03-13

Dekonstruktion

Von glaukothyr @ 15:07 [ 010 Mutmasslich Gleichgesinnte ]

Dekonstruktion ist hip

Was als "Schweiz" noch in den Medien erörtert wird, unter dem Vorwand, über Finanz, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Militär, Neutralität, Sozialstaat, Eigenart, Kultur usf. zu berichten, ist ein Dämmerzustand, der nicht allein diese sondern das sog. Abendland als Ganzes und als kollektive Vorstellung davon betrifft.

Dekonstruktion ist nicht bloss Mode, sie findet notwendigerweise statt. Aber es findet nicht nur diese bzw. nicht nur solche statt.

Das Gefühl, überall, wo es ungefähr wie "Gesellschaft" rauscht oder danach riecht, nicht wirklich da zu sein bzw. dass dort Dasein jeder Ausrichtung und "Wirkung" entbehre, hat mit diesem Dämmerzustand zu tun.
Als Dekonstruktion erscheint diese Dämmerung denen, die über den vergehenden Tag nachgrübeln und die ihre Versäumnisse zu rechtfertigen suchen. - Rechtfertigung als Ersatz für Bewegung und für Verzicht auf in ihren Abend und in die Nacht gleitende, feste und als Errungenschaften festgehaltene "Standpunkte", "Standorte" und "Vorteile".
Sesshaftigkeit statt Lebendigkeit - das ist letztlich die Ursache aller Unausweichlich- keit von Dekonstruktion.

Die Dekonstruktion hat ihren Beweggrund bzw. ihre zwanghafte Wirkung im Überfor- dert Sein des Einzelnen gegenüber der nach bisherigen Denkgewohnheiten und Be- fangenheiten in Wertgemeinschaftszugehörigkeiten "nicht benutzerfreundlich", schon gar "nicht familienfreundlich", in aller Verantwortung spottender Weise "unsozial" jäh sich öffnenden Weite der Wirklichkeit gegenüber der bisherigen Geborgenheit des - weil doch "gut gemeint", als machbar eingebildeten - Wünschbaren.

Überfordert ist der Einzelne nicht in erster Linie charkterlich gegenüber dem Unbe- kannten, sondern durch die Zähigkeit, mit der angedrillte, andressierte, eingepaukte und -geprügelte Rasterung der Wahrnehmung, Deutung und Wertung des Wirklichen quasi die Öffnungen und Sensorien für dazu taugliches, uneingeschränktes Sehen, Hören, Tasten, Riechen und Schmecken verklebt und verharzt.
Die Herausforderung, alles Andressierte und durch Diplome Qualifizierte als künftiger Belanglosigkeit anheim fallend Gewordenes und noch Werdendes aufzugeben, wird als "Dekonstruktion", der einzig wahre Ausweg, sich statt dessen auf durch eigensinnige Erfahrung Erlerntes zu verlassen, als bedrohliche Leere empfunden, erlebt und ge- wertet. Kein Wunder, mangelt es Vielen an "Durchblick". Wie ist Durchblick durch als Leere gedeutete Blindheit denkbar?
Es spielt dabei keine Rolle, ob die Hölle auf "die Andern" oder auf die als Leere miss- verstandene Wirklichkeit projiziert wird.

Die Hölle - oder das "Ende" aller angeblichen Errungenschaften (einschliesslich der Geschichte), ist keine Notwendigkeit und findet nicht in Wirklichkeit, sondern in der Beschränktheit des Vorstell- bzw. Vorgaukelbaren statt. Sie ist die kleinmütige Erfindung derer, die sie "den Andern", vor allem denen wünschen, die nicht an den Himmel für ausgerechnet von demjenigen Gott Auserwählte glauben, der von den Erfindern der Hölle erfunden und den "Heiden" und Ketzern aufgezwungen ist.

Des Ketzers Leben ist dessen eigensinnige und eigengeistige Begegnung mit Gott. Er bedarf dazu keines äusserlichen Antriebs (Motivation), weder durch verheissene Erlösung und Belohnung noch durch angedrohte Verdammnis und Strafe.
Der Ketzer nimmt Gott an, wie er ihm begegnet, nicht, wie er ihn sich und andern, je nach Willkür und Bedarf, wünscht, verheisst oder androht.

Die grosse und radikale Dekonstruktion hat noch nicht begonnen, aber sie kündigt sich da und dort gelegentlich und andeutungsweise statt. Sie gilt dem System von Belohnung und Strafe.

P.S. Dieser Beitrag war als Kommentar zum Beitrag unter gleichlautendem Titel von "unkultur" gedacht, konnte dort aber aus unbekannten Gründen trotz wiederholter Versuche nicht eingetragen werden.


2007-04-11

Die Entscheidung, Mensch zu werden und zu sein

Von glaukothyr @ 19:00 [ 010 Mutmasslich Gleichgesinnte ]
Der 'Heilige Krieg' ist das Ringen des Einzelnen um seine Entscheidung, Mensch zu werden und zu sein oder Sklave unter profanen Zwängen und gegenüber deren Verlockungen, worin jene eingewickelt, ein bis zu seinem Tode wehrloses aber störrisches, quengelndes und zwängendes Kind zu bleiben.

2007-02-24

Grundsätzliches anlässlich einer Nebensächlichkeit

Von glaukothyr @ 22:03 [ 010 Mutmasslich Gleichgesinnte ]

2007-02-03

Zitat zur Gegenwart und zum Terrorismus

Von glaukothyr @ 15:11 [ 010 Mutmasslich Gleichgesinnte ]

"Wir leben in einer Zeit, in der Quantifizierung und das ihr zugehörige Denken in nahezu sämtliche Lebensbereiche des Einzelnen wie der Gesellschaft beherrschend oder terrorisierend eindringt."

Zitat aus Peter Benary's 'Musik und Zahl'

©2001 HBSNepomuk Postfach CH-5001 Aarau
  


2006-12-12

Novatlantis - Utopie der Beherrschung von Gewalt

Von glaukothyr @ 11:07 [ 010 Mutmasslich Gleichgesinnte ]

Zu Recht besteht grosse öffentliche Besorgnis über das Ausufern von Gewalt auf allen Ebenen, von verdeckt operierenden Bestrebungen, die Welt globalzentralistisch neu zu ordnen bis hinunter auf die Reibungen zwischen Teilen der Gesellschaft, der Bevölkerung, der Einwohnerschaften, an Schulen, in Familien und individuellen und privaten Beziehungen.

Dabei gilt die kollektive Aufmerksamkeit vorallem der spektakulären Gewaltanwendung, die in kurzer Zeit sichtbar werdende und aufschreckende Schäden verursacht, die von den Verursachern offensichtlich beabsichtigt sind oder beabsichtigt waren oder zur Zeit der Gewaltanwendung bewusst und von zielgerichtetem Antrieb unterstützt in Kauf genommen worden sind. Der Unterschied zwischen der Steuerung bewusster Gewaltanwendung im globalen Massstab und derjenigen auf dem Schulhof besteht nicht in der Qualität der rational-emotionalen Elemente und ihrer Anordnung, sondern in der Macht, die Gewaltanwendung auch gegen die Überzeugung entsetzter Beobachter mit Informations- und Propagandamaschinerieen zu 'rechtfertigen' oder gar zu selbstaufopfernden Wohltaten hochzustilisieren.

Viel weniger auffällig aber keineswegs weniger schädlich und auf lange Sicht nachhaltig zerstörerisch und teilweise gar vernichtend ist die behäbige und gemütliche, viel Bequemlichkeiten und eingebildete Sicherheiten verschaffende und Annehmlichkeiten oder gar Luxus erzeugende Gewaltanwendung. Es ist nicht abwegig, sich Gedanken über Verwandschaften und kausale Verhängnisse zwischen behäbiger und gemütlicher oder gar wohltätiger Gewalt einerseits und in irgend einer Weise 'hässlicher' und entsprechend als 'böse' empfundener Gewalt zu machen. Wenn der kleinere Teil der Weltbevölkerung zu seiner Bequemlichkeit den grössten Teil der globalen Ressourcen für sich beansprucht, und dies - besonders bei den Rohstoffen - in einer auf Leben und Gesundheit Wehrloser keine Rücksicht nehmende Weise, so ist das gewiss eher Gewaltherrschaft Privilegierter über Tributleister und Sklaven und kann nicht eigentlich als Beitrag zur Erweiterung und Entwicklung demokratisch kultivierter Kollektivität gewertet werden.

Gedankenlos selbstgerechte Gewohnheit ist eine gesellschaftlich geheiligte kollektive Sucht. Der errungene (bzw. auf Kosten heute Hungernder und Leidender zusammengeraubte und erlistete) 'westliche' Lebensstandard ist ein Götze, den anzubeten zur - als 'Menschenrecht' geschützten - Pflicht für jeden Karrierewilligen oder Prestigebewussten geworden ist.

Nicht die Freude an und der Genuss von Luxus sind das Problem sondern die aus träger Gewohnheit sich selbst genügende, Wohlstandsvoraussetzungen zerrüttende Verschwendung und kollektiv megalomaner Verschleiss. Was das heissen soll und kann, wird hier bewusst jedem Einzelnen überlassen. Es geht nicht darum, dass Alle mit dieser Darstellung einverstanden sind, sondern darum, dass die Gedanken- und Kritiklosigkeit gegenüber unseren Gewohnheiten aufhört. Es geht nicht um einen Aufruf zu Selbstkasteiung und zu dramatischem Verzicht, es geht um schlichte Vernunft, um die Freude an der Anstrengung für Innovation, die Probleme löst statt nur Verwöhnte und Gelangweilte zu entzücken oder Geänstigte in eingebildeten Sicherheiten zu wiegen.

Ein Schritt in diese Richtung ist Die 2000-Watt-Gesellschaft

Die 2000-Watt-Gesellschaft steht für die Vision einer Gesellschaft, die pro Kopf nur noch etwa 2000 Watt Energie pro Jahr benötigt. Das ist etwa ein Drittel der Energiemenge, die ein Durchschnittsschweizer heute verbraucht. Technisch innovative und nachhaltige Lösungen im Bereich der Mobilität, im Bau oder in der Stadtentwicklung sollen den Weg zu einer Gesellschaft ebnen, die - bei mindestens gleicher Lebensqualität - weniger Energie braucht.

Nach Jahren der Forschung an der ETH Zürich erhält die Idee nun auch politische Unterstützung. Und in der Region Basel gibt es bereits vielversprechende Pilotprojekte.

Christian Heuss
Kontext, Dienstag, 12. Dezember 2006, 09.05-09.35 h, DRS2
Kontext (Z), Dienstag, 12. Dezember 2006, 18.30-19.00 h, DRS2

2006-12-10

Aktuell - vor fünfzig Jahren schon

Von glaukothyr @ 11:30 [ 010 Mutmasslich Gleichgesinnte ]

Karl Jaspers : Die Atombombe und die Zukunft der Menscheit

Wenn man bedenkt, dass vor fünfzig Jahren ernsthaft in Erwägung gezogen wurde, Karl Jaspers als Deutschen Bundeskanzler vorzuschlagen (wofür sich Jaspers allerdings nicht zur Verfügung stellen konnte und wollte), so muss man sich doch fragen, ob der technologiewissenschaftliche Fortschritt und dessen Allgegenwart in Öffentlichkeit und kollektiver Bewusstheit nicht auf Kosten kollektiver Geistesentwicklung und kollektiven Willens auch zu geistigem Fortschritt erlistet ist. Das vielfältige Spriessen von 'Ethikkommissionen' mag ein Zeichen guten Willens zur Nachholung von Versäumten sein, taugt aber nicht viel.

Die Frage zu stellen, ist das Eine und dem Einzelnen anheimgestellt, sie zu beantworten überfordert den Einzelnen. Sie schon nur zu stellen, scheint aber das Kollektiv zu überfordern.

Über die Schwierigkeiten für den Einzelnen, sich auf Kollektives einzustellen und sich mit dessen Grobschlächtigkeiten und bequemer Genügsamkeit hinsichtlich des Visionären und mit dessen dumpfer Duldsamkeit gegenüber auf ewig in selber, wiewohl unerschöpflich variiert gestylter Art vorgegaukeltem 'Lebenssinn' abzufinden, wird, so ist zu befürchten, hier gelegentlich Weiteres zu lesen sein.

In diesem Sinne - und Widersinne - einstweilen 'ohne Weiteres', den Blick 'in's Blaue' gerichtet

Glakothyr


2006-11-14

Sinthyias' Rantings and Ravings

Von glaukothyr @ 21:34 [ 010 Mutmasslich Gleichgesinnte ]
Wer Denkweisen und -formen, die zur Zeit und bis heute mit der Grundhaltung Glaukothyr's in Einklang stehen, auf Englisch formuliert lesen möchte, sei auf Sinthyias' Rantings and Revings verwiesen. Es bestehen keinerlei Kontakte zwischen Glaukothyr und Sinthyia.