2008-12-04

Sidney, 4 Months after End of 1984

Von glaukothyr @ 11:55 [ Mottenkiste ]
"Aukland! - Awwwwwwkland !!!! - That's the place to go when all the rest of the world will be wiped out!"
Stan Kirbey,                 
Board of Directors,       
UBS Sidney, April  1985

2008-11-25

Ex Cathedra Vacillante : Psalm für den grossen Bären

Von glaukothyr @ 12:29 [ Mottenkiste ]

Psalm für den 'Grossen Bären'

1) Wenn die Läuse und Flöhe im Fell des grossen Bären zu dreist und aufsässig werden, geht dieser kurzerhand ins eisige Wasser baden und aus ist's mit der Herrlichkeit des Ungeziefers.

2) Figuren wie Hussein, Bush und und die andern 'grösseren' und kleineren, bis hinunter zu Provinzpotenateten, Lokalmatadoren und Finanzschnuckiputzis verschiedenster Kaliber, deren Wichtigkeit sich nach dem Mass des Zwists, den sie  zwischen Menschen sähen und nach der Grösse des Elends, der Not, des Hungers und der Zerstörung, die sie anrichten, bestimmt, sind Nichts als Läuse in Pelz des grossen Bären der Welt-, Natur-, Menschheits- und Evolutionsgeschichte.

3) Wenn dereinst der grosse Bär die Lust nach eisigem Bade verspürt, hilft keine Solidarität, keine Vernunft, keine Frömmigkeit, keine Schlauheit, keine Klugheit und keine Weisheit mehr.

4) Für den Einzelnen zählt dann nur noch, wie er war, ward und was er aus sich gemacht hat, wie er zum Leben eingestellt ist und welche Einsicht er in die Endlichkeit seines Daseins, die ihm ohnehin, mit oder ohne Lust des grossen Bären, sich hin und wieder der Läuse und Flöhe in seinem Pelz zu entledigen, beschieden ist, gewonnen und wie er sich dazu eingestellt hat. Das allein wird dann dafür entscheidend sein, wie er das lustige Bad des grossen Bären selber erfährt und ob er sein eigenes Ersaufen als das Glück des Bären oder als sein eigenes jämmerliches Ende erlebt - ja! in seinem und durch sein Sterben wahrhaftig erlebt!

10.09.2002

 

 

 


2008-03-03

Sarkastikon : Ethik (Sarkastische Umschreibung)

Von glaukothyr @ 11:23 [ Mottenkiste ]
"Wippen-, schaukel- und/oder karussellartige Anordnung von Sollen und Wollen bzw. Müssen, Dürfen und Können in einigermassen starren Beziehungen (Typ der emotionslüsternen und -willfährigen, wahr- und klarheitsfeindlichen, elitär- autoritären ""Ethik"" genannten Argumentationsautomaten), oder dann Zerstückelung der Anschauung in einander kontrastierende Felder, auf denen den Häufungen gemutmasster Gleichheiten und Verschiedenheiten nachbildenden Regeln gemäss Argumente gegeneinander gestellt oder auch ausgetauscht werden (Typ der angeblich emotions- und wertfreien, rational-intellektuellen Ethik, die nicht umhinkommt, letztendlich sich selbst als Wert aufzufassen)."

Mitte August 1996

P.S.

"Sarkastikon" war damals (Mitte 90er letzten Jhdts.) ein Projekt des Autors von Glaukothyr, sog. heilige oder zumindest "hohe" Werte zu vivisezieren und dem Publikum, einem Opferpriester einer mittelamerikanischen Hochkultur vergleichbar, die (nach Berichten zeitgenössischer "Christen") noch pulsenden und dampfenden Herzen des geopferten "Menschenbildes" auf dem Altar der nüchternen, unbeirrbaren Wahrhaftigkeit zu präsentieren.
Anders, als dem aztekischen Priester, fehlte dem Autor (zu dessen untröstlichem Bedauern) die Macht und Autorität, dies erschreckten und fürchtenden Untertanen zuzumuten. Kein namhafter Verleger war bereit, sich seine Hände mit solchem Blut zu verschmieren - aus Gründen der Marketinghygiene.

Wenn Glaukothyr grade nichts Neues einfällt, wühlt er lustvoll und selbstmitleidig in seiner Mottenkiste und lüftet ihm noch der Erinnerung wert Scheinendes hier scham- und rücksichtlos aus, ganz nach dem Vorbild nach rückwärts gerichteter und flüchtender Wirtschaft und Politik.

Im herrschenden Durcheinander der Nachrichtendienste wird ohnehin immer schwieriger und unbestimmter, Richtungen im newtonschen Sinne auseinander zu halten. Die Behelfe, vorne da zu suchen, wo man Nichts sieht oder wo man etwas zu erkennen meint, sind gleichermassen plausibel und es ist Niemand zu verargen, der sich für die eine oder andere Richtung entscheidet.


2007-09-14

Abschied von einem Aberglauben

Von glaukothyr @ 20:43 [ Mottenkiste ]

13. Oktober 1995

Sehr geehrter Herr T.,


Ihr Wirtschafts- und Börsenbrief war und ist immer sehr interessant zu lesen und
ich habe grossen Respekt vor der Sorgfalt und Umsicht, mit der Sie Ihre Rat-
schläge begründen.

Unsere Einstellung zu "Geld" hat sich geändert. Wir haben zur Zeit "genug davon"
und möchten uns nicht länger halbprofessionell damit beschäftigen, uns zu sorgen,
ob wir wohl immer "genug davon" haben werden.
Wenn Mario Simmel einmal titeln konnte: "Liebe ist nur ein Wort", so gilt das in
ähnlicher Weise auch für Geld. Es wird tagein tagaus von früh bis spät so viel
und so Vieles davon geredet, dass "Geld" alles oder nichts (und auch "Alles oder
Nichts!") bedeuten kann.

Der wertvollste Teil des Vermögens ist derjenige, den man in nächster Zeit ausge-
ben kann. Der Rest bzw. alles Übrige ist - in den heutigen Währungssystemen und -relationen - reine Spekulation - mit und ohne Börse.

Beachtet man Indikatoren, die für die Ökonomen und Politologen nichtssagend
sind, so ist nicht auszuschliessen, dass spätestens die heute Neugeborenen über
unseren Aberglauben vom und ans "Geld" mitleidig den Kopf schütteln werden.

Ich will meine Beschäftigung mit Geldfragen und -"sorgen" einschränken und eine
Folge davon ist auch, dass ich Ihren Börsenbrief nicht mehr benötige.
Darf ich Sie daher bitten, die Weiterlieferung ... einzustellen?
Ihren Bemühungen und Ihrer Leser- und Kundschaft wünsche ich herzlich viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüssen

****

 


2007-06-17

Ex Cathedra Vacillante : Macht und Hörigkeiten

Von glaukothyr @ 20:10 [ Mottenkiste ]

Keine Staatsform kann als solche und aus sich allein Gewähr gegen Machtmissbrauch und Ungleichheit bieten

Die Mächtigen und die Ruhmreichen werden weiterhin als 'bemerkenswert' in die Geschichte eingehen.
'Geschichte' ist und bleibt Kult am Bemerkenswerten bzw. am von für sich historischen Wert Beanspruchenden und daher zu 'Geschichte' Erklärten.
Geschichte ist und bleibt - je nach Belieben der gerade Mächtigen umgestaltbare - Chronik und Rechtfertigung der Macht. Kritik darf von ihren Verwaltern nur am unveränderlich Vergangenen geübt werden, sofern keine Interessen heute noch mächtiger Nachfolger der damals schon Mächtigen entgegenstehen. Macht ist immer Richterin in eigener Sache.

Dennoch wird es in Zukunft schwieriger als bis noch in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts werden, das Bemerkenswerte bzw. dafür Erachtete einseitig zu glorifizieren oder zu verteufeln.

Wenn die Prozesse gegen Machtmissbraucher, Despoten und Kriegsverbrecher fair, d.h. unter Anwendung gleicher Masstäbe für im Wesentlichen Gleiches, angewendet werden, wird man sich über kurz oder lang dem Phänomen des Machtmissbrauchs, seiner Ursachen, Anfänge und Entwicklung zuwenden und es nicht ideologisch-emo- tional und selbstgerecht werten dürfen, sondern wird empirisch analysieren müssen, wie Motive des 'doch anfänglich (aus welcher Sicht auch immer und für wen) nur Gut Gemeinten' entstehen, die ihnen folgenden Taten kompromittieren und schliesslich zu Willkür und Terror ausarten.

Die Gestalt des 'Kriegsverbrechers' ist eine Sündenbockgestalt, ähnlich derjenigen des Vergewaltigers, Ehrenmörders oder Kinderschänders. Mehr als diese verkrachten Existenzen auf individueller, kleinmassstäblicher Ebene sind sie genau so sehr Erzeugnis ihrer Gefolgschaft als auch Täter, sind sie Verführte wie Verführer. Es geht dabei nicht um Rechtfertigung ihres Handelns, Ihrer Grausamkeiten und ihrer Bereicherung auf Kosten Entrechteter, Erniedrigter und schwer Misshandelter, sondern um die Erkenntnis möglichst der ganzen Wahrheit und um Einsichten in die Notwendigkeiten und Möglichkeiten, die Wiederholung solcher Entwicklungen zu verhindern oder wenigstens deren Folgen so früh wie nur möglich zuvorzukommen. Dabei geht es auch um die Untersuchung der Versäumnisse der Völkergemeinschaft.


Gewalt-, Zwangs- und Schreckensherrschaft und die Tendenzen, sich grössere Sicherheit bzw. Erfolgsgewissheit durch Verweigerung von individuellen Freiheiten jeder Art und durch diese in mannigfaltiger Weise beschneidende Kontrollen, 'Vor- und Fürsorgen' zu erhoffen und zu versprechen, wurzeln samt und sonders
- im frühkindlichen und jugendlichen und entsprechend tief verinnerlichten Erleben von Abhängigkeit,
- in den das ganze Leben hindurch mit Lob und Tadel, Belohnung, Auszeichnung, Zurücksetzung und Strafe gemachten Erfahrungen einerseits
- und andererseits im Erlernen
-- der Argumente, mit denen Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Erniedrigung, Lüge und Gewalt 'gerechtfertigt' bzw. totgeschwiegen werden,
-- der selbstbetrügerischen bzw. -betäubenden Methoden, sich sowohl kollektiv als auch individuell mit Plausibilität, Blenderei und billigem Schein zufrieden zu geben und abspeisen zu lassen.

Es fällt auf, dass als 'Diktatur' regelmässig ein die kollektive Infrastruktur - gehobeneren oder zurückgebliebeneren Standards - gewährendes System bezeichnet wird, für dessen Lenkung und Steuerung ein königgleiches Oberhaupt zuständig ist, das Sicherheit und Wohlergehen des Systems mit dem Wohlergehen und der Sicherheit der eigenen Person und ihrer Entourage gleichsetzt und auf Bedrohung dieser (eigenen und persönlichen) Sicherheit mit vorallem hinsichtlich seiner Blutigkeit unzimperlichem Zwang reagiert.

Eine Diktatur kann sich das Wohlwollen der übrigen, sich 'freiheitlich demokratisch' wähnenden und nenndenden Welt auf folgende Arten und Weisen ertrügen, erlisten und erheucheln :
- Erzeugung einer Fassade 'westlichen Lebensstandards' mit glänzender Infratruktur - und daran verdient vorallem die Entourage des Diktators - die Korruption ist vorprogrammiert.
- günstige Konditionen für 'westliche' Unternehmungen und 'marktwirtschaftliche Heucheleien' - der Korruption wird ein Rechtfertigungsargumentarium bewilligt und sie erhält ein marktwirtschaftlich anmutendes, professionelles Design.
- Verbale Politik der 'demokratisch freiheitlich' und menschenrechtlich aufgetakelten offiziellen 'Sprachregelung' - Die Korruption ist dadurch kein Thema mehr sondern Teil des Systems geworden und gibt die Grundsätze für die Rechtsordnung vor, für deren Gestaltung 'demokratisches Vokabular' verwendet wird. Die im System erlaubten Sozialwissenschaften sorgen für die 'Richtigkeit, wie Fakten zu analysieren und tiefere Zusammenhänge zu sehen seien',
- ernsthaft scheinende Ankündigung der Einführung demokratisch anmutender Rituale - die Hungernden und Elenden bekommen glaubwürdige Aussicht darauf, künftig wählen zu dürfen, wer für das Fortdauern ihres Hungers zuständig sei.

Im demokratischen Westen dürfen die Arbeitslosen, die Erwerbslosen und die von Geburt oder durch Unglücke Benachteiligten bereits wählen
, wer für das Fortdauern ihrer Arbeits- und Erwerbslosigkeit, für den Schwund der Kaufkraft des Ersparten, für die Ausweitung ihrer Benachteiligung bei zunehmender Einschränkung ihrer Freiheiten und für die straffreie Irreführung der Massen über die Wahrheit der Geldschöpfung zuständig sei. Überdies dürfen die Medien gerade soviel über Willkür und Schlampereien der Behörden, prügelnde Polizisten und über folternde, erpressende oder bestechliche Beamte berichten und Mutmassungen über das Ausmass des verfassungswidrig und Demokratie vereitelnden Geheimgehaltenen oder des verfassungswidrig über Privates Aufgezeichnete anstellen, als zur Wahrung des Scheins demokratischer Rechte und Freiheit nötig, aber ja nicht zur Mobilisierung der Öffentlichkeit zur Wiederherstellung von freiheitlicher Rechtsstaatlichkeit ausreichend.
Das unterscheidet 'Demokratie' heute in etwa von Diktatur. In beiden Systemen muss der Einzelne selbst sehen, wie er sich recht und schlecht arrangiert. Der Unterschied wandelt sich für den Einzelnen unaufhaltsam vom ethisch qualitativen zum zweckhörigen Entscheid für die eine oder andere Variante des Konsum bestimmenden und durch dessen Gewohnheiten bestimmten 'guten Geschmacks'.



2007-04-14

Evolution und Geschichte

Von glaukothyr @ 01:49 [ Mottenkiste ]

Die Evolution der Menschheit ist nicht deren Geschichte. Sie ist wie das Meer, während die Geschichte immer nur der Blick von der Küste darauf ist.
Der Standort am Strand ist der zufällige, vom Verlauf der Küste bedingte, von einer Bucht eingeengte oder von einem Felsvorsprung für einen Rundblick aufgeschlossene. Dieser vom Standort bedingte Blick erliegt der Verzerrung und Trübung durch den Anschein dessen, was heute behelfsmässig noch mit 'Gesellschaft' ettikettiert wird.
Die vom Historiker be- und verarbeitete 'Geschichte' ist der Blick von mit Bedacht erwähltem Standort auf einen sich ihm durch die Umstände darbietenden Küstenabschnitt. Geschichte bleibt verletzliche Schnittstelle zwischen beschränktem Bewusstsein und der unermesslichen und unergründlichen Wucht evolutionärer Gesamtheit der zweckhörigem Verstand widersprüchlich und unvereinbar scheinenden Möglichkeiten und Zufälligkeiten.
Ist evolutionär oder existentiell widersprüchlich, was sich nach zwängend strenger - und entsprechend beschränkter - Logik gegenseitig ausschliesst? Ist Unvereinbarkeit nicht mangelnde Schöpferkraft bzw. mangelnde Fähigkeit, sie als Daseinsvoraussetzung zu verstehen oder sich vorzustellen?
Weder der Standort des Historikers ist fest noch der Verlauf der Küste ewig. Beide sind endlich, ohne dass das Meer sich dadurch für den Mann auf See, das Individuum, veränderte. Und auch dieser schwimmt nur oben auf bis er so oder anders Schiffbruch erleidet oder an Land sich rettet, um dort, statt zu ertrinken, irgendwann erschöpft zu sterben.
Die Vorstellung, dass die Wissenschaft je die Evolution bestimme oder beherrsche, ist der Meinung vergleichbar, wer 'das Meer' fotografiere, beherrsche es und trage es in seiner Tasche herum.
Die Wissenschaft wird immer nur notdürftige Orientierungshilfe sein, auf dem scheinbar sicheren Festland erzeugte Gerätschaft und Methode, den Fluten der Evolution für einige Male zu entkommen, bevor man davon überspült.
Es stünde der Wissenschaft und allem menschlichen Streben daher gut an, sich mit dieser Rolle des Behelfsmässigen zu begnügen, statt sich von Gelüsten nach Herrschaft treiben zu lassen.
Das Kollektive beruht quasi auf der Idee Einzelner, sich durch Wagnisse auf den Wogen der Brandung ein Publikum und dessen Ansehen zu verschaffen. Diese reiten quasi auf den Wellenkämmen der Evolution.
Während jedermann klar ist, dass ein Surfer die Wellen meistert, aber nie beherrscht, da er sie ja weder zu erzeugen noch zu glätten vermag, gelingt es denen, die kunstvoll auf den Wogen kollektiv aufgeschaukelter Emotionen balancieren, ihren Bewunderern weiszumachen, sie beherrschten die Kräfte, von denen sie sich tragen lassen.

Vielen Chronisten entgeht diese Täuschung.

(Ursprünglicher Text 26.11.2003. Vorliegende Fassung redaktionell aber nicht inhaltlich geringfügig modifiziert)


2007-03-29

Unendliche Reise ohne Ziel

Von glaukothyr @ 13:07 [ Mottenkiste ]

Oh Reisender! Wo immer Du hinkommst,

liegt Deine Welt Dir neu zu Füssen,

empfänglich für Deinen nächsten Gedanken,

Deinen nächsten Schritt, Deine nächste Tat!


2007-01-19

8 Phasen Politischer Ratlosigkeit

Von glaukothyr @ 21:28 [ Mottenkiste ]

sig@D)0c 8 Phasen Politischer Ratlosigkeit (verfasst 20.10.2002)

Politik kommt je länger desto drängender unter Legitimierungszwang.

Die Fragen nach ihren Wirkungen, Nebenwirkungen und Grenzen mehren sich mit den Bettlern auf den Strassen - auch entlang der 'eleganten Einkaufsstrassen' und in den 'sauberen' Bankenvierteln.
Keine Partei kann diese Fragen beantworten, ohne dabei schwerwiegende, ihre Legitimation und gar ihr Selbstverständnis in Frage stellende Versäumnisse und Irrtümer eingestehen zu müssen. Keine Partei wagt als erste diesen Schritt, weil ihre
interne Gruppendynamik das - unabhängig von Programmen - verunmöglicht. Das Eingeständnis von Irrtümern und Veräumnissen forderte Konsequenzen, die selten nur einzelne Köpfe beträfe, sondern ganze, das Parteigefüge wie Blutbahnen und
Nervenstränge durchziehende Seilschaften. Die richtigen, für das Publikum wirklich glaubwürdigen Konsequenzen kämen eigentlichen Ausweidungen des ganzen Parteiapparates näher als heilenden chirurgischen Eingriffen.
Die Parteien wählen daher einigemassen einfach abgrenzbar und zu beackern scheinende Nebenschauplätze aus, die gerade noch hinreichend emotional aufputschbares, mit dem lauen, konzeptiv dürftigen Parteiprogramm  einigermassen vereinbares 'Rohmaterial' für die nächsten Legislaturabschnitte und Abstimmungen hergeben, um den für das Fortbestehen notwendigen Aufmerksam- keitsgewinn zu erzielen. Die Auswahl und der 'Markt für' wirklich risikolose aber doch Aufmerksamkeit verschaffende Themen werden kleiner und enger. Das führt zu folgender Methode, Politik zu machen :


1 'Thematisierung' eines einzelnen, einigermassen empörenden Ereignisses. Die Anreicherung mit hinreichender Empörung wird dabei diskret der 'freien Presse' bzw. den 'politisch unabhängigen Medien' überlassen.

2 Dramatisierung, Emotionalisierung und Horrorifizierung des Thematisierten zwecks Erzeugung 'politischen Handlungsbedarfs'.

3 Weitere Vereinnahmung des Themas durch Vorreiterfiguren, Zeichen setzende Veranstaltungen, Diskussionsforen etc.

4 Erstellung plausibler Scheinanalysen des Problems. Es wird eine 'Ursache' für das Problems argumentativ herausgefiltert und für die Debatte präpariert. Dabei geht es um Erzeugung eines Argumente und Gegenargumente provozierenden und die die allgemeine Aufmerksamkeit in seinen Bann ziehenden Scheins. Damit wird die Debatte bereits in eine allgemeine Richtung kanalisiert. Die so erreichte Eingrenzung des Themas trägt zur besseren Abschätzung der weiteren Risiken der Debatte bei.

5 Die Ergebnisse der bisherigen Umtriebe (Phasen 1 bis 4) werden in kontrastrierende Bilder und Denkformen eingebracht, die als Kulisse für das Polittheater aufgezogen werden. Wie immer, soll Kulisse Gemütsbewegungen auslö- sen, die klischeeartig auf 'Wirklichkeit' bezogen werden. Damit ist gleich zweierlei erreicht : Das Publikum ist angesichts der Kulisse auf das Bevorstehende   gespannnt (Aufmerksamkeit) und interessiert sich erst noch, wie jedermann, der sich ins Theater oder die Oper setzt, nicht mehr für die Wirklichkeit. Ein nicht beachtlicher Teil des Publikums nimmt denn auch Politik eher als neue Form circensischer Spiele - und die davon abfallenden 'sozialen Brosamen' als 'panis' (Brot) wahr. Es werden erst Grup- pen von Glaidatoren und schliesslich, als Höhepunkt von PR-Beratern und Politpsycho- logen herausgeputzte und ideologisch mit Argumenten aufgerüstete Gladiatorenstars in der Politarena aufeinandergehetzt und der Pöbel - bei unklarem Ergebnis ab und zu auch ein 'Gericht' - reckt Däumchen in die Höh' oder zu Grunde. Vor diesem Finale mit Däumchen Recken ist allerdings noch einige Regie erfordelich :

6 Es muss nun ein Problem formuliert werden, das ohne zuviel Lern- und Denkauf- wand in zwei Alternativen - eine 'bessere' und eine 'schlechtere' zerlegbar ist und die eine einfache, nicht allzuanstrengende Lösung naheliegend erscheinen lässt und die in leicht nachvollziehbarer Weise zu Schritten 2 und 3 hievor in Zusammenhang gebracht werden kann.

7 Kann mit den Schritten 1 bis 6 dem Thema nicht die in späteren  Machtge- winn umformbare Aufmerksamkeit verschafft werden, wird auf die Krimi- nalisierung der Schattenseiten des Themas hingearbeitet. Es werden einfach identifizierbare 'Verursacher' des Problems als 'Verbrecher' hingestellt und Strafnor- men gegen deren angeblich das Problem verusachendes Verhalten gefordert. Bedenken, dass die Umsetzung dieser Strafnormen, z.B. die Ermittlung, Freiheitsrechte zusätzlich einschränke, ohne Gewähr für den von dieser erwarteten Nutzen, werden regelmässig mit dem sehr billigen und auch etwas scheinheiligen Argument heruntergespielt, dass schon jeder noch so geringe Erfolg den Makel eingeschränkter Freiheit um ein Vielfaches überwiege und dass ja, wer sich einwandfrei systemkompatibel verhalte und seine Freiheiten nicht 'missbrauche', grundsätzlich nichts zu befürchten habe.

8 Wenn das Publikum immer noch kein nennenswertes Interesse zeigt, kehrt man zu Schritt 1 zurück und sorgt für intensivierte Thematisierung durch Häufung einschlägiger Berichte. Oder man schickt etwa mehr den um seinen Besitz bangenen Bürger verunsichernde 'Bettler' und Elendsfiguren auf die Strasse, die man dann später wieder abberufen kann, wenn es darum geht, vorzutäu- schen, die seinerzeit propagierten Massnahmen seien 'erfolgreich' gewesen.
 


2006-12-11

Limerick : „Adfänt“ Dezember 1995

Von glaukothyr @ 15:36 [ Mottenkiste ]

Santi Glaus, Du waise Maa,
lueg Dr au dië Mensche’n aa!
Si haschte dr’här
waish nimm, wär isch wär?
Ay Gnusch us Gutzi, Gfyl und Gloria!