2008-12-10

Die Mörder der Konkordanz ...

Von glaukothyr @ 17:56 [ CH-Bananenplantagen ]

 ... und die "Menschenrechte"

Nun sind sie also entlarvt, die "Mörder der Konkordanz", die von C.B. noch am Vorabend der Wahl hellsichtig zum voraus erkannt und verdächtigt worden sind und die nun mit quasi blutigen Händen dastehen, allerdings ohne das Opfer zur Strecke gebracht zu haben, dem sie angeblich nachgestellt haben.
Die Mehrheit derjenigen, die nicht zum zur Zeit noch grössten Wählerblock gehören und mit diesem in wichtigen staatspolitischen Punkten uneins sind, hat sich allerdings auch zur rein arithmetischen Konkordanz bekannt, aber deutlich zum Ausdruck gebracht, dass diese an sich nur eine Regel der Formalität ist, die ohne inhaltliche Qualität wert- und bedeutungslos bleibt.

 

Man stelle sich zur blossen Erläuterung der rein arithmetischen  Konkordanz ohne jede inhaltliche Mindestgarantie für einen Augenblick den hoffentlich sehr unwahrscheinlichen Fall vor, fast dreissig Prozent der Wahlberechtigten unterstützten eine Partei oder politische Bewegung, die die Abschafftung der Gleichberechtigung der Geschlechter oder ein völlig uneingeschränktes Verfügungs- und Züchtigungsrecht der Eltern gegenüber ihren Kindern befürwortet und stelle sich die Frage, ob ein Angehöriger einer solchen Partei überhaupt als materiell bzw. inhaltlich konkordanzfähig gelten dürfe.

Die Antwort auf eine solche Frage dürfte für jedermann auf der Hand liegen. Sie wäre aber nicht die Antwort auf das ganze Problem. Gleichzeitig müsste man sich eben auch die Frage stellen, was denn einen so grossen Wähleranteil in die Arme einer solchen beinah sektenartigen Bewegung getrieben hat und was die übrigen Parteien versäumt haben, dass es so weit gekommen ist. Man muss sich sogar fragen, ob hier die 71% als insgesamte Mehrheit die Bedürfnisse und Rechte einer Minderheit verkannt haben und nun von dieser vorexerziert bekommen, wie sie sich von der Mehrheit schlecht behandelt oder eben grob vernachlässigt fühlt. Es genügt nicht, den Guru, der sich als Pfand der Konkordanz aufspielt und wehleidig deren Mörder anklagt (nachdem er sie selber schon halb tot geschlagen hat) zu lynchen. Der Vorwurf des Populismus trifft nur das schäbige Gewand, fällt aber auf die Hochmütigen und Selbstgerechten zurück, die sich nicht fragen, weshalb denn so Viele in so schäbigem Gewand auftreten und daherkommen.

Von Stil und Grad der Finesse des Ausdrucks abgesehen sind nämlich die Bekundungen der sich gediegen Äussernden über die aus ihrer Sicht "Unberührbaren", "politisch und kulturell Unterentwickelten" und bezüglich des Rechtsstaates bedenklich schlecht Erzogenen denjenigen der von den Wohlerzogenen als Rüpel Beurteilten über die aus deren Sicht deren Sicherheit, Geborgenheit und Wohlstand gefährdenden Fremden und Glücklosen bestürzend ähnlich. (Qualität und Intensität der gegenseitigen Fremdheit und Abgrenzung sind ja auch einander vergleichbar).
 
Die Konkordanz, die arithmetische jedenfalls, auf die C.B., T.B. 1, T.B.2, U.M. und andere beharrlich gepocht haben, ist nun gerettet, wunschgemäss streng arithmetisch und ohne jede Sentimentalität, Sympathie oder gar Empathie, was nun denen, die exakt genau das erhalten haben, worauf sie gepocht haben und kein bisschen mehr, doch ein bisschen ein Gefühl der Leere in der Magengrube zurückzulassen scheint. Unerwartet empfinden sie das gnadenlos Arithmetische als Ergebnis eines abgekarteten Spiels, eines Theaters, ja gar einer dreckigen Intrige.
 
Ob und was am 10. Dezember 2008 in Bern obsiegt habe, ist eine Frage an das Orakel - und bekanntlich bewahrheitet sich dessen Antwort für den Fragenden auf der Ebene, auf der er sie aus seiner Sicht, von seinen wahren Beweggründen geleitet, beraten oder geblendet, versteht oder missdeutet.

Oft spricht der Fragende einen wahren Kern der Antwort selber aus :

"Mörder der Konkordanz" - was könnte das wirklich heissen?

Die Konkordanz ist sterblich und eben gerade dadurch lebendig. Mit jedem Ausscheiden eines Bundesrats stirbt sie zu dem Anteil, den der Ausscheidende daran geleistet hat. (Von da her ist es gar nicht so abwegig, diejenigen, die das Ausscheiden eines Bundesrates herbeigeführt oder auf eine gewisse Art erzwungen haben, in der Rolle von - allerdings gesetzlich und rituell legitimierten - "Mördern" der bisherigen Konkordanz (keinesfalls aber der künftigen) zu sehen).

Das ist immer mit Verlust und Schmerz verbunden. (Genugtuung vermeintlicher "Sieger" darüber ist eigentlich kein wirklich guter Vorsatz für die Einstellung auf das Künftige, aber sie ist verständlich, wenn und so weit der Beitrag des Scheidenden an die materielle, inhaltliche Konkordanz ungenügend war und sich allein in ordentlicher Amtsführung erschöpft hat.)

Hinsichtlich des zu ernennenden Nachfolgers ist die Konkordanz für die Dauer des Auslese- und Ernennungsvefahrens fast unvermeidlich eine "rein arithmetische", ganz unabhängig davon, wie willkommen dieser Nachfolger von den Ernennenden generell geheissen wird oder nicht. (Das allerdings rechtfertigt nicht den Anspruch einer Partei, gleichgültig welcher Grösse, der politischen Gemeinschaft als Ganzes, der gegenüber sie ja - jeden Falls in einem gesunden demokratischen System - regelmässig eine Minderheit bleiben sollte - ihren Wunschkandidaten aufzuzwingen; das widerspricht der Verfassung, die ja eine effektive, das heisst durch Nichts und Niemand vorentschiedene Wahl des Bundesrats vorschreibt und nicht bloss eine Approbation - und selbst eine solche müsste verweigerbar bleiben, wenn das ganze nicht zu einem Marionettentheater bzw. zu einer mechanisch aufgezogenen Spieluhrendemokratie verkommen soll.)

Mit der Ernennung beginnt ein neuer Konkordanzzyklus und wird es Aufgabe sämtlicher Beteiligter (der Räte, der Politiker, des Volkes - und der Medien!), eine für das Weitere, Künftige neu modifizierte inhaltliche Konkordanz zu erarbeiten.

Ja! Es muss immer wieder scheinbar "von vorn" begonnen werden, es bedarf dieser wiederholten Impulse, vergleichbar dem Puls eines Herzens.
Das kann besser oder weniger gut gelingen und dieses Gelingen hängt von weit mehr Faktoren ab, als die dieses Gelingen von je ihren gebundenen Standpunkten aus Beurteilenden überhaupt im Stande sein können, umfassend wahrzunehmen.

 

Ob T.B.1, Leittier der Herde, die nun den Beginn eines neuen Konkordanzzyklus feiert, überhaupt eine Ahnung hat, was dieser Neubeginn an Anforderungen an das von ihm Gelenkte in sich birgt, ist Teil der oben geschilderten Orakelsituation.

Je wohlfeiler und plausibler die Antworten von verschiedensten Weissagern ausfallen, als desto sibyllinischer könnten sie sich in letzter Konsequenz offenbaren.
Etwas verblüffend war ja die Reaktion T.B's  auf das Erreichte und von seiner Herde bereits Gefeierte eigentlich schon. Da war nur gerade das Nötigste zu hören, dessen ein in der gegebenen Situation angebrachtes Bekenntnis zur Entwicklung für das Künftige erforderlicher Konkordanz bedurfte.  Dafür wurde der erstaunte Zuhörer Zeuge eines reichlich peinlich penetranten Beharrens auf dem abenteuerlichen Versuch, anhand kunstvoll an den Haaren herbeigezerrter "Indizien" nachzuweisen, dass und wie gewisse politische Gruppierungen die Konkordanz zu vereiteln beabsichtigt hätten, weil sie von den ihnen von der Verfassung zuerkannten Befugnissen anders Gebrauch gemacht haben, als er und seine Hintermänner ihnen in verfassungsrechtlich fragwürdiger Weise aufzuzwingen versucht haben.

Grotesk schliesslich das noch peinlichere Beharren von T.B.1 auf dem Versuch, den Befürwortern eines Gegenkandidaten Missachtung von dessen Menschenrecht und Würde vorzuwerfen, weil sie versucht hätten, dadurch "Druck" auf diesen auszuüben, dass sie denselben trotz seiner eindeutigen Erklärung, er werde die Wahl nicht annehmen, zur Wahl vorgeschlagen hätten, während T.B. und seine Hintermänner genau dasselbe mit den von ihnen offziell zur Wahl gestellten Kandidaten eben so gemacht haben - jedenfalls, wenn deren von allen Beobachtern deutlich gehörten und wiederholten Erklärungen, sie hätten sich nur widerstrebend und voller Bedenken zur Wahl zur Verfügung gestellt.

Noch angeschminkter erscheint das "Feingefühl" von T.B.1 gegenüber den auf seinen Parteikollegen angeblich ausgeübten Druck, die Wahl anzunehmen, wenn man sich an die Bedenkenlosigkeit, mit der er, T.B.1 und seine Hintermänner eine Treibjagd auf den scheidenden Bundesrat veranstaltet haben.

Ganz offensichtlich kann T.B.1 nicht verstehen, wen und was die Menschenrechte schützen und ist er hinsichtlich deren Anerkennung zu einer materiellen, inhaltlichen Konkordanz mental von vornherein nicht fähig. Dass es ihm und seinen Gesinnungsgenossen - in ganz anderen Zusammenhängen aber auch Exponenten "entgegengesetzter" Lager - grösste Mühe bereitet, zu begreifen, dass die Menschenrechte eine grundsätzliche Barriere gegen das Recht des Stärkeren zum Schutz der den Starken hilflos Ausgelieferten ist, hat er mit seinen Erörterungen über sein Verständnis von Menschenrechten deutlich offenbart.

 



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