2009-04-27

Schöpfungen, Paradiese und ...

Von glaukothyr @ 12:42 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

... 'die' Gründe für deren 'Endlichkeit'

Die guten 'Ratschläge' und 'weisen Sprüche' vor märchenhaft schönen Kulissen im PPS-Format haben Hochkonjunktur. Das Süsse soll über das Bittere siegen.
Jeder Rat einzeln ist sehr sinnig, jede dieser Weisheiten gründet - für sich allein genommen - unendlich tief. Alle zusammen zusammengerührt sind ein bisschen viel und können in der Praxis einander ganz schön in's Gehege kommen.
Sie können auch dazu verleiten, das Hässliche und Unangenehme (Verantwortung, Augaben) auf Andere - in der Regel Schwächere - abzuschieben, wie es ja auch auf vielen Ebenen der Wirtschaft und Politik sehr auffällig geschieht.
Die regelmässig absolute, bedingungslose Formulierung dieser Weisheiten unterstützt ungewollt Denkformen wie :
"Wenn nur dieses so und so und dafür jenes nicht mehr wäre, wäre Alles für Alle und immer gut, könnten alle politischen, wirtschaftlichen und medizinischen Probleme der 'Menschheit' für alle Zeiten gelöst sein."
Solche Denkformen scheinen bestechend einfach und unwiderlegbar, ihre Umsetzung in eine nachhaltig ('ein für alle Mal') und bis in's kleinste perfekt wirkende Praxis artet regelmässig in totalitäre Eskapaden aus.
 
Alle Ratschläge dieser Art haben nur bedingte Geltung, etwa (nur als schematische Vorschläge zu verstehen):
  • Es ist richtig, sich Zeit zu nehmen, wenn das nicht auf Kosten der Zeit Anderer geht.
  • Es st schön, Pläne zu haben, wenn man weiss, wozu.
  • Es ist gut, dankbar zu sein, wenn man sich Rechenschaft gibt, wem wofür.
  • Es ist erquickend, andere zum Lachen zu bringen, wenn man begreift, worüber.
  • Es ist verdienstvoll, andern Hoffnung zu machen, wenn man offenlegt, worauf.
Der Grundtenor solcher absolut formulierter Ratschläge und 'Weisheiten' in ihrer Gesamtheit verheisst ein 'Paradies', das letztlich auf sich selbst beruht, sich selbst befriedigt und genügt und sich mangels schöpferischer Impulse erschöpft. Das ist dann der Punkt, wo 'Erkenntnis' verlockend wird, weil 'Leben' ohne schöpferische Auslösungen und mangels Bewegung zum für das Lebendige unerträglich todgleichen Zustand wird.
Das Paradies gerät unerwartet in Widerspruch zur Schöpfung.
 
In Wahrheit war die 'Vertreibung aus dem Paradies' keine Vertreibung sondern ein provozierter Aufbruch aus dem Paradies, zu verstehen als Fortsetzung der Schöpfung und als deren Eintritt in einen endlosen, dem Schöpfenden entgleitenden und - mehr oder weniger plötzlich (big bang!) - entwachsenden Evolutionsprozess.
(Es gibt auch nicht 'die Schöpfung' sondern deren unendlich Viele von vielen grösseren und kleineren 'Schöpfern' in wachsender Zahl).

 

 

 


2009-04-17

K O N S U M ?

Von glaukothyr @ 12:48 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]
Einer von vielen Begriffen, von denen sich sich alle einbilden, zu wissen, was das sei: "Verbrauch" bzw. "Verzehr".
Beginnt man mit dem Versuch, kurz und bündig zu beschreiben, wie das "Verbrauchen" wovon, warum, wozu und wie, d.h.: unter insgesamt ('ganzheitlich') welchen Voraussetzungen und Bedingungen und in welchen Spannungsfeldern bzw. unter welchen Spannungen zu materiellen und ideellen Werten sowie zu Konzepten individuellen Daseinssinns einerseits, kollektiver Anpassungszwänge andererseits (etwa zum Zwang, Folteranordnungen retrospektiv als 'gutgläubige Erfüllung nationaler Pflicht' zu rechtfertigen), wird deutlich, wie wenig auch der Gebildetste und Höchstqualifizierte wirklich weiss, was er eigentlich tut, wenn er selber konsumiert. Und man muss sich dabei gleich auch noch in eben so schmerzlicher Weise darüber Rechenschaft geben, wie wenig man weiss, was man wirklich bewirkt, wenn man arbeitet, um Güter und Dienstleistungen zum Konsum anzubieten, um selber konsumieren zu können, und sei es auch nur des Nötigsten, um nicht von denen, die ungestört und in 'ihrem Frieden' konsumieren wollen, als und mit "Sozialmüll' eingemauert zu werden.
 
Die Ökonomischen Theorieen und die darauf gründenden Wirtschaftsideologieen und -konzepte gehen selber von einem zwiespältigen und gar widersprüchlichen Konsumbegriff aus: Sie setzt ihn für das Blühen des Marktes voraus um ihn gleichzeitig als kostentreibenden Faktor auf der Produktionsebene zu unterdrücken.
Die Konsumlust mit dieser inneren Widersprüchlichkeit anreizen zu wollen, ähnelt dem Versuch, ein Perpetuum Mobile am Laufen zu erhalten, ohne dass Jemand merken darf, dass es kein Perpetuum per se, sondern ein mit faulem Zauber scheinbar "'aus eigener Kraft' sich fortlaufend in Bewegung Haltendes" sondern "von unsichtbarer Hand" - auf fremde Kosten - Angetriebenes, ein 'perpetuer motum (occultum)' ist.

Auch dem Hungrigen können Umstände den Appetit verschlagen, die weder mit seiner medizinischen Gesundheit noch mit seinem Geldbeutel direkt zu tun haben. Ein gesunder Appetit wiederspiegelt ein gesundes, friedliches und bedrohungsfreies und von ermutigenden Perspektiven umstelltes kollektives Umfeld wieder, in welchem das Verzehren sorglosen und mit dem Gewissen gegenüber den Andern vereinbaren Genuss bereitet.

Nicht nur Appetit, auch Appetitlosigkeit kann ansteckend sein. Aus dauerhaft Appetitlosen werden auf Dauer Hungrige, Geschwächte und Verzeifelte.
Sie können von den Rechthabern, Selbstgefälligen und Verwöhnten vielleicht zu Tausenden, nicht aber millionenfach eingemauert werden, jedenfalls nicht friedlich.

2009-04-13

Das 'Gute'

Von glaukothyr @ 22:04 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

Vom Guten ist die Rede, wenn man nicht sicher ist, was das eigentlich sei. Es hilft nicht, darüber zu reden.
Von Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Ähnlichem zu reden besteht Anlass, wo es längst darum geschehen ist.
Das versäumte 'Gute' lässt sich nicht ein- und nachholen. Es bleibt für immer verloren. Und es lässt sich nicht auf Vorrat tun, so wenig wie man heute schon für den morgigen Tag "voratmen" kann.

Das Gute ist lebendig und lebendig ist fortwährend immer nur hier und jetzt.

Die Vorstellung, ein Konto mit Gutem, das mit Schlechtem verrechenbar, führen zu können, ist irrig.

Man wird durch Übung zum Guten fähig oder nicht.




2009-04-11

Ein starkes Rückgrat ...

Von glaukothyr @ 12:56 [ CH-Bananenplantagen ]
 ist notwendig und gut ...

... es genügt aber nicht allein seine Stärke.

 

Ein zu steifes kann leicht Schmerzen bereiten oder gar gebrochen werden.
Für seine Beweglichkeit ist zuständig, was davor und was oben drauf sitzt.
Wer tüchtig kämpfen können und nicht bloss beeindrucken will, braucht gelenkige Glieder und ein bewegliches Rückgrat.

Imponiergehabe ist ein triebartiger Reflex auf eine Situation, die wegen für typisch gehaltener Merkmale und ohne weitere Analyse für bedrohlich gehalten wird.


Der Tüchtige kämpft nicht gegen
das angeblich Böse oder Schlechte, sondern um eine Lösung, die auch den 'Gegner' zufriedenstellen kann.
Darum braucht's nicht nur das, was auf dem Rückgrat sitzt, sondern auch das, das vor seiner obern Hälfte pulst.


2009-04-05

Man spricht von Gier ...

Von glaukothyr @ 22:26 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]
... vernünftigerweise beim Tier, also bei einem Lebenwesen, das seinem Trieb um seines Lebens Willen gehorcht.

Sprachgeschichtlich entstammt das Wort 'Gier', nach Ansicht von Experten, dem althochdeutschen 'giri', das mit 'Begierde' gleich bedeutend ist. Zwei Quellen mischen sich in dieser Lautform : das indogermanische 'gher-', das mit 'verlangen' gleich bedeutend und mit dem das Wort 'gern' verwandt ist, einerseits, die sog. 'r-Ableitungen' von 'ghei-' andererseits, die Bedeutungen wie 'gähnen', 'klaffen', 'verlangen' abdecken und womit Worte wie 'Geier' und 'Geiz' verwandt sind.

Diese sprachgeschichtlichen Annahmen rechtfertigen es, die moderne Bedeutung des Wortes Gier als ein vitales, unbeherrscht triebhaft wildes Verlangen bzw. Begehren nach Befriedigung für das Lebewesen notwendiger und seine Lebendigkeit prägender Bedürfnisse zu definieren, das, im Gegensatz zur Unersättlichkeit eben gesättigt und befriedigt werden kann und sich dadurch legt.

Unersättlichkeit ist nicht triebhaft, sondern wahnhafte Entgleisung der Huldigung an ein Prinzip, eine Ideologie, eine Theorie usf.  Ihre Wahnhaftigkeit manifestiert sich als Verlust des Sinns für Verhältnismässigkeit und dem entsprechend in einer Mass- und Rücksichtslosigkeit in dieser oder jener Hinsicht.
Spielarten der quantitativen Unersättlichkeit sind zwanghafter Perfektionismus, Pedanterie, Rechthaberei, Machbarkeits- und Allmachtswahn, der alles Verzichten als Beschränktheit, Unentschlossenheit, Ängstlichkeit, Entscheidungsschwäche, Unschlüssigkeit Resignation oder Feigheit auslegt und der sich daraus weiter steigernde Wahn grenzenlosen Wachstums - schlicht genannt 'Grössenwahn'.

Anders als die Gier kommt die Unersättlichkeit sehr häufig in sehr dezent gediegener und diszipliniert scheinender Form daher, ist sie doch nicht eine Gier nach Leben sondern ein parareligiöses Streben nach Macht für und durch ein System, das der Unersättliche für unübertrefflich hält. Gier ist unter des Unersättlichen Würde und sie ekelt ihn. Er hat es nicht nötig, je gierig auf etwas zu sein. Er erhebt Anspruch darauf, zu befehlen, was ihm beliebt, nicht, zu erhalten, wonach er bedarf oder es ihn gelüstet. Der Unersättliche verachtet es, Wünsche oder gar Sehnsüchte zu hegen, er strebt danach, sich jeder Zeit wahllos nehmen zu können, was immer es sei, um die absolute Überlegenheit des Systems, dessen Vasalle er ist, unter Beweis zu stellen.
Die Unersättlichkeit will ganz anders als die Gier, keine Befriedigung, sondern endlos wiederholte und fortgesetzte Steigerung der Unzufriedenheit und Anstachelung systemhörig willkürlicher Zielsetzung.


Ein eindrückliches Bild ...

Von glaukothyr @ 09:11 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

... und die Wirklichkeit, auf die es bezogen ist.

An- und Einheizer in Amt und Würden freuen sich,

ihrem als Berufung aufgefassten und gewerteten Temperament gemäss,

über 'viel Zug im Kamin',

ohne von dessen Wirkung viel Ahnung zu haben.

 

Es kann sehr gefährlich sein, "viel Zug" in einen nicht optimal konstruierten und dazu nur notdürftig in Stand gehaltenen Kamin zu bringen,

ganz besonders, wenn man meint, im gleichen Zug auch den Estrich entrümpeln und Altpapier ohne Rücksicht auf Umwelt und Nachbarn entsorgen zu können.

 

 


2009-04-03

G20 ist Geschichte - und das war's!

Von glaukothyr @ 11:28 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]
Nicht alles, was ein Veranstalter speziell dazu veranstaltet, dass es in die Geschichtsbücher eingehe, macht Geschichte.
Was am 02. April von 'höchsten Ebenen' herab verheissen, beschlossen und versprochenen worden ist, hörte sich gut an und las sich leicht.

Wäre es ehrlich und ernst gemeint gewesen, wäre es schon ohne Krise längst fällig gewesen. Hinter den schön- und grosssprecherischen Verlautbarungen steht einzig und allein die Absicht, die bisherigen Machtpositionen neu zu gruppieren und organisieren, um die systematische globale Versklavung fortzusetzen.

Was in die Geschichtsbücher eingeht, wird immer erst rückblickend, von denjenigen entschieden, die in Zukunft diese Bücher schreiben werden.
Wer heute meint, was er sage und bewirke, werde in die Geschichte eingehen, geht davon aus, dass seine Denkweise dann, wenn die Bücher geschrieben werden, immer noch Mass gebend sei. Das genau ist eingebildet 'gut gemeinter', in Wahrheit nackter und naiver Machtanspruch.
Schon der Entscheid, dass, ob und wie es 'Geschichte' brauche, wozu sie tauge und wie und anhand wovon sie darzustellen sei, ist eine Frage der Machterhaltung und -verherrlichung.
Genau darin liegt die Schwäche des G20-Gipfels. Er masst sich die Fähigkeit an, künftig Fehler vermeiden zu können, von denen er gleichzeitig behauptet, sie bis zum Ausbruch der Krise nicht erkennen gekonnt zu haben. Er tut dabei so, als herrsche heute unter Experten und sogar ganz allgemein Einigkeit darüber, was Fehler gewesen seien und was Unausweichlichkeiten und Unvermeidbarkeiten. Dabei sind das Ausmass und die längerfristigen Auswirkungen dieser (gleichzeitig als einzigartig anerkannten) Krise noch lange nicht durchschaut und berechenbar.

Ein Streifzug durch die Medien überzeugt jedermann leicht davon, dass keine Einigkeit über die Ursachen der Krise besteht und wahrscheinlich nicht möglich werden wird.

Wie will man da alle entscheidenden Fehler in Zukunft vermeiden wollen und können, ohne beim Vermeiden alter Fehler neue, kapitale Fehler zu begehen?