2008-08-29

Das Paradies

Von glaukothyr @ 12:08 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

Das Paradies ist weder ein Ort noch eine Institution noch eine Belohnung.

Es ist eine Erfahrung, keine transzendente, wie man meinen möchte, sondern im Hier und Jetzt, das keines Nachweises und keiner Erinnerung bedarf und sich jeder naturwissenschaftlichen Betrachtung und Untersuchung entzieht aber nicht schon deswegen für "übernatürlich" zu halten ist. Entsprechend ist eine "Erinnerung" an das Paradies unmöglich.

Es lässt sich um so bestimmter sagen, dass diese Erfahrung möglich ist, und so weit sie unerinnerlich und unbeschreiblich bleibt, keine Täuschung sein kann.
Alle ausschmückenden Beschreibungen des Paradieses indessen, besonders diejenigen, die von nicht minder lustvollen Beschreibungen der Hölle kontrastiert werden, sind wohl poetisch mehr oder weniger meisterhaft gestaltetete Phantasmagorieen mit altertümelndem Unterhaltungswert, haben aber mit der Wirklichkeit (nicht nur des Paradieses!) rein gar nichts zu tun, ob nun aus eines Propheten Munde welcher Religion auch immer gehört oder in dessen Schriften bezeugt.

In der Moderne treten an Stelle der Paradiesbeschreibungen politische und weltanschauliche Verheissungen so wie technokratische Entwürfe und perfekte Ausführungen irdischer Kolossalinszenierungen und Systeme mit gigantischem Energieverschleiss, kontrastiert von Berichten und Enthüllungen über Missstände, groteske und grauenvolle Unverhältnismässigkeiten und über Geistesverfassungen und Machenschaften niederträchtigster und miserabelster Art.

Entsprechend zum Paradies ist auch die Hölle weder ein Ort, eine Institution noch eine Strafe. Was sie vom Paradies unterscheidet, sind ihre Nachweisbarkeit, die Erinnerung an sie und die damit verbundene Idee, Schuldige zu finden, zu verfolgen, zu quälen, erniedrigen und hinzurichten.

Wer die Hölle fürchtet, verabscheut oder hasst und meint, das Böse vernichten zu müssen und zu können, wird in's Paradies seiner Befangenheiten und Rechthabereien eingehen und dort nach kürzester Zeit von tödlicher Langweile in selbstzerstörerischen und vernichtenden Wahnsinn getrieben. Er leidet unter dem Entzug seiner Droge, dem Kampf gegen das Böse.


Kein Mensch kann das Paradies erfinden, keine Wissenschaft wird es je entdecken und keine Technologie und auch keine noch so höchststehende Magie wird es je vollkommen und dauerhaft erstellen können.
Nur der Einzelne kann es erfahren und diese Erfahrung ist an keinerlei Bedingungen oder Qualifikationen geknüpft. Es ist ungerecht, flüchtig, unbeschreiblich und ewig.

Die Hölle ist nach Massgabe ihrer Erfinder und Betreiber gerecht, währschaft, zuverlässig und immer auf dem technisch neuesten Stand der institutionalisierten Irrtümer, Vorurteile, Täuschungen und Trugschlüsse. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen und Klassen, Automobilen, Einfamilienhäusern, Villen, Krankenkassen oder Tourismusangeboten vergleichbar.

 


2008-08-27

The Party is definitely over!

Von glaukothyr @ 13:39 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]
Die Party ist endgültig vorbei. Sie war so ausgelassen, dass das Haus nicht mehr zu gebrauchen ist.
Es genügt nicht mehr das nach einer Party übliche und voraus geplante Aufräumen und Reinemachen, es hilft nur noch ein neues Haus auf dem Stand der heutigen Anforderungen, Ressourcen und technischen Möglichkeiten. Dieses zu errichten bedarf auch in einem neuen Geist aufgewachsener Bauherren, Architekten, Ingenieure, Handwerker und Arbeiter.

Viele Unbelehrbare erzeugen weiterhin blendende Kulissen scheinbarer Exzellenz und die Massen sonnen sich - mangels besserer Beschäftigung - blinzelnd in deren Widerschein.

Die "illicit economy" fühlt sich in der Ruine, die die von ihnen geschmissene Party hinterlässt, sehr wohl und sabotiert Planung und Neubau wie und wo immer möglich. Dazu betört sie die Massen der aus Bequemlichkeit Leichtgläubigen mit Verheissungen und Vorspiegelungen unbegrenzter Möglichkeiten und endlosen Wachstums. Zu diesen Betörten gehören die meisten im Geist des letzten Drittels des 20. Jahrhunderts Herangewachsenen und Gebildeten. Ihre Vorurteile verstellen ungewollt aber wirksam den Blick auf das Wirken der institutionalisierten Kriminalität, die sich grössten Teils mit der "illicit economy" deckt.

Die "illicit economy" ist in der rücksichtslosen Verfolgung ihrer Vorhaben hochprofessionell und schliesst auch "Öffentlichkeitsarbeit" in ihre Strategieen ein. Sie nutzt raffiniert eingefädelte Verbindungen zu den politischen Apparaten. Sie täuscht - teils mit deren Hilfe - vor allem über globale wirtschaftliche, soziale, politische und kulturelle Dringlichkeiten (Wasserwirtschaft, Kohlenstoffmanagement, Antriebstechnik, Weltfinanz- und -mobilitätssysteme, Lebenserwartung, Gesundheitspolitik) hinweg und lenkt die Aufmerksamkeit der Massen mit von Zerstreuungsangeboten - von höchstkultivierter bis selbst hemmungslosester Art - durchsetzter Angsterzeugung auf "Sündenböcke" statt auf konkrete Aufgabenstellungen. Zur Beseitigung von Hindernissen befehligt sie "hauseigene mitlitärische Apparate" oder nimmt Dienste von auf Beseitigung von Hindernissen jeder Art spezialisierte Dienste in Anspruch.

Die "illicit economy" ist in höchstem Masse dafür ursächlich, dass die erwähnten weltwirtschaftlichen und politischen Anstände sich in so akuter Dringlichkeit und Undurchschaubarkeit präsentieren. Besonders die Undurchschaubarkeit ist ihr typischer "Standort-vorteil".

Es wird höchste Zeit, die Notwendigkeit, die Erfolgschancen und die Durchführung einer globalen "Polizeiaktion" gegen die "illicit economy" anzudenken.

Den meisten Politikern der alten Garde und den alten Füchsen der Diplomatie ist das zu anstrengend. Die CEOs der global operierenden Unternehmungen "delegieren" diese Art Fragen an Spezialisten oder Stellen, denen sie aber nur auf öffentlichen Druck Gehör schenken.
Anmerkung : Nils Gilman, Referent an der "european futurists conference lucern", umschreibt in der Programmvorschau zu seinem am 27. Oktober 2008, 14:45 zum Thema gehaltenen Vortrag die "illicit economy" wie folgt :

The Global Illicit Economy

A new class of global actors is playing an increasingly important role in globalization: smugglers, warlords, guerrillas, terrorists, gangs, and bandits of all stripes. Since the end of the Cold War, the global illicit economy has consistently grown at twice the rate of the licit global economy. Increasingly, illicit actors will represent not just an economic but a political force. As globalization hollows out traditional nation-states, what will fill the power vacuum in slums and hinterlands will be informal non-state governance structures. These zones will be globally connected, effectively run by local gangs, religious leaders, or quasi-tribal organizations – organizations that will govern without aspiring to statehood.

2008-08-21

Besoffen

Von glaukothyr @ 12:15 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

Besoffen sind vermutlich eher eine Menge gewisser frustrierter und scheinheiliger Medienberichterstatter und Manipulierpolitiker denn die Botelloneros und -as.

Die hinterlassenen Abfallhaufen sind nicht schön, illustrieren aber in vergleichsweise harmlosen Bildern, was von ihrer Selbstgerechtigkeit und Ehrenwertigkeit betörte und betäubte, nach Finanzen, Energien, Prestige und Macht süchtige "Führungspersönlichkeiten", Technokraten und Karpousarchen, mit Giften vermengt, nach ihren Konjunkturparties und Orgien des Besserwissens, Erlistens, Erpressens und Erzwingens hinterlassen und damit ganze Regionen und Landstriche mit Schichten und Bergen zutragen, die dutzende von Kilometern lang und hunderte von Metern brei und hoch sind und deren Abtragung Jahrzehnte bräuchte, wenn die Energie und Finanzen dazu verfügbar wären, was sie vermutlich nie sein können *).

*) Letztes Kapitel "Feuerland" in Roberto Savianos "Gomorrha"

 


2008-08-16

It's the economy ... ! - ???

Von glaukothyr @ 11:40 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

2008-08-11

Der ökonomische Ritus

Von glaukothyr @ 20:51 [ CH-Bananenplantagen ]

Wer schon Ende letzten Jahrhundert's mangels Anzeichen, die genügend stark, seine Bedenken zu beschwichtigen, ahnte oder gar befürchtete, dass von der Politik nichts mehr Taugliches zu erwarten sei, sieht sich in seinen allen nüchternen Erwägungen zum Trotz gehegten Hoffnungen gründlich enttäuscht, in seiner Kritik bestätigt und von den heutigen Zuständen angewidert.
Zwar sind neue Kräfte in Bewegung geraten, auf die weiter Hoffnung zu setzen übrig bleibt, aber die sind ganz sicher nicht in den politischen Parteien zu finden und können sich dort von vorn herein nicht entfalten.
Alle Parteien, gleichgültig welchen Lippenbekenntnisses, begegnen diesen neuen Kräften mit dem fadenscheinig legitimierten Anspruch, mit ihrem Gerangel unter einander um Macht, Vorrangstellung und Führungsbefugnis ungestört fortfahren zu können.

Nicht der Staat, worin sich der Bürger entfalten und seine Fähigkeiten einbringen kann, sondern ihre taktischen Erfolge und fingierten Siege sind ihr Hauptanliegen.

Viele Parteiaparate werden von Selbstdarstellern mehr oder weniger schamlos vereinnahmt. Sie sind die eigentlichen Schmarotzer, die den Staat schwächen und gleichzeitig dem Bürger immer mehr Lasten und Beschränkungen für Scheinlösungen auferlegen und zumuten, die sich über kurz oder lang als Schrecken ohne Ende erweisen, weil nebst gut gemeinten auch katastrophal falsche Signale davon ausgehen, deren Dynamik regelmässig verkannt und unterschätzt wird.

Der durchsschnittliche Politiker lebt, hofft, denkt und argumentiert in Weltbildern von Gestern und Vorgestern. Die Wenigen, die den möglichen Zukünften nüchtern, ohne Schwärmereien und Sentimentalitäten und auf Grund erarbeiteter Einsichten entgegenblicken und entgegengehen, werden vom durchsschnittlichen, als "währschaft" gelobten und beim Volk als 'heimelig' beliebten Politiker nicht verstanden.

In schwer durchschaubarer Interaktion und Synergie haben Parteien und Medien ein politisches Klima geschaffen, das die allgemeine Bereitschaft fördert, der Scheinlogik zu folgen, die es unausweichlich und vorteilhaft macht, dem globalen ökonomischen Ritus Rechtsstaatlichkeit, bürgerliche Freiheiten, aus diesen Freiheiten heraus definierte und entwickelte Postulate und Selbstbestimmungsgarantien immer hemmungsloser und willfähriger zu opfern, während gleichzeitig in schrillsten Tönen auf Souveränitätsansprüchen, Machtdefinitionen und Gewaltenteilungsmodellen beharrt wird, die auf politische und ökonomische Bedingungen des 18. und 19. Jahrhunderts zugeschnitten sind und die ihre weltanschaulichen Grundlagen in der Aufklärung haben, ungeachtet dessen, dass sich die Vorstellungen von Materie, Energie und Psyche seit damals tiefgreifend verändert haben.

Die Schweiz ist von diesen Zwiespältigkeiten der Einstellung zu Gegenwart und Wirklichkeit nicht weniger berührt als ihre europäischen Nachbarländer.
Dass Europa von einer Krise in die nächste wankt und sich dabei noch andern Machtblöcken als zumindest "moralisch" überlegen vorkommt, ist in nicht zu unterschätzendem Masse dem generell rückständigen Bewusstseinsstand der Mitglieder und Mitwirkenden in allen politischen Parteien und der Mitarbeitenden der meisten, vor allem der meist beliebten Medien zuzuschreiben. Diese fühlen sich modern, weil sie dem letzten Lifestyle oder dem letzten Think- and Feelstyle huldigen und ein modernes technologisches Vokabular durch den Mund einsaugen und letztlich gelangweilt und teilnahmslos durch ihre Nüstern wieder ausblasen.

Ganz generell haben die "westlichen bzw. von westlichen Ideen" geprägten Demokratieen unter der degenerativen und teils gar destruktiven Arroganz ihrer führenden Parteien und der Medien zu leiden. Denn durchwegs sind diese zu Vasallen und Hörigen des globalfeudalen ökonomischen Ritus geworden.
Diesem Ritus gemäss ist Erfolg nicht an wirtschaftlichem Gedeihen, sondern am Grad der Rücksichtslosigkeit zu messen, die man sich der Konkurrenz und den Abhängigen, Untergebenen, Unterlegenen und Übervorteilten gegenüber unbestraft leisten kann.

 


2008-08-02

'Sucht' verhalten {*}

Von glaukothyr @ 14:42 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

Es ist typisch für auf abstrakt-materialistischen Kulten beruhende Kollektive, von "Wirksubstanzen" und Mitteln jeder Art und von den durch diese begünstigten, verstärkten oder gar erzeugten kollektiven wie individuellen Einbildungen und Befindlichkeiten in besonders hohem und hemmungslos wachsendem Masse abhängig zu sein.

Kollektive und individuelle Befindlichkeiten, Einbildungen und andere mentale Zustände und Verfassungen stehen in unabdingbaren und unlöslichen Wechselwirkungen zu einander.

Es ist witz- und von vornherein aussichtslos, in Systemen, deren Kollektivität auf der Einsperrung aller Aspekte menschlichen Daseins in suggeriert allgemein abstrakt Gültiges und auf der unvermeidlichen Abhängigkeit von Mitteln und Einrichtungen zur Erzwingung dieser Abstraktionen beruht, mit von diesen im Geiste ihrer Abhängigkeiten erdachten und erschaffenen Einrichtungen die Sucht nach speziell das individuelle Bewusstsein und die individuelle Befindlichkeit vorübergehend beeinflussenden Mitteln bewältigen zu wollen.

Die individuellen Süchte sind fraktalisierte Varianten und Ausfransungen der kollektiven, umso mehr, als das Kollektiv dazu neigt, gegenüber dem Individuum Vorbildsfunktion zu beanspruchen. Allen Vorbildern ist gemein, dass nicht nur und überwiegend ihre günstigen Eigenschaften zur Nachahmung anregen. (Vielen Pädagogen ist das nicht bewusst).

Ein Suchtkollektiv kann keine Süchte heilen. Es fehlt ihm überdies die Legitimation, dem Individuum zu verbieten, was es (Kollektiv) selber nicht lassen kann, es sei denn, es werde als "göttlich" anerkannt (quod licet Iovi, non licet bovi), was aber nicht ohne Willkür und nicht wider besseres Wissen möglich ist. Die unvermeidliche und unentrinnliche Abhängigkeit des Systems von Mitteln zu seiner Erhaltung und Entfaltung widersprechen der Vorstellung von Göttlichkeit oder auch nur von Höherwertigkeit gegenüber dem Individuum.


Mitleid ist die Schwester des schlechten Gewissens

Von glaukothyr @ 13:29 [ 010 Mutmasslich Gleichgesinnte ]

Mitleid ist die Schwester des schlechten Gewissens.

Die Eltern dieser beiden heissen Angst und Kleinmut auf hohem Rosse.

(Inspiriert von Friedrich Nietzsche's Zarathustra IV "Der Hässlichste Mensch" und "Das Zeichen", wo der alte Wahrsager das Mitleid als Verführtsein zur Not der andern blossstellt.)

Dieses Mitleid hat Nichts mit Liebe zu tun. Es betäubt sie. Es bringt die Frage nach dem eigenen Anteil am Leid der Andern und nach der Mitverantwortung daran zum Schweigen. Die Antwort auf diese Frage ist nur mit harter und unablässiger eigener Arbeit, die sich selber über ihren Werken vergisst, und nur alleine und für sich alleine zu finden. Sie konfrontiert unbarmherzig mit eigenen Schwächen, zwingt zur Korrektur des Selbstbildes und zu weiterer Arbeit i.S. des Entwickelns und Schaffens.

Man hüte sich in diesem Punkt vor vermeintlich "Gleichgesinnten". Jeder ist für diese Antwort allein und für sich selbst verantwortlich. Niemand, und 'Gott' zuletzt, sollen sich einmischen! Gott wird erst hinter dieser Antwort göttlich. Alles davor ist bloss Götze. Und keiner predige und verkündige andern die Antwort, die allein für ihn Gültigkeit hat!

Es gibt wohl die Flucht vor dieser Arbeit und deren Ergebnis. Die heutzutage bevorzugtesten Fluchtwege sind die organisierte Wohltätigkeit und die damit oft Hand in Hand gehende Anklage angeblich, vordergründig und scheinbar an der Not der Bemitleideten Schuldiger. "Schuldig" sind ausnahmslos Alle oder Keiner.

Vor sich selbst aber gibt es kein Entrinnen. Das Gewissen ist zeitlos und was dem Eiligen und Bequemen ein Warten oder eine Ferne, ist dem Geist ein Augenblick und ein halber Schritt.

Mitleidlosigkeit ist zu unterscheiden von Teilnahmslosigkeit, Verachtung,  Rücksichtslosigkeit, Gnadenlosigkeit und Grausamkeit.