"Die Schweizer Presse rechnet nicht mit einer Rückkehr Nef's."
Das kann man als eingenständig beobachtender und denkender Bürger zur Kenntnis nehmen, aber was soll das bedeuten?
Wer ist eigentlich die "Schweizer Presse", wer steht dahinter und wer oder was bewirkt eigentlich diese für eine Landschaft mit echter Pressefreiheit schwer vereinbare, ungewöhnliche Einstimmigkeit?
Es gab in der Vergangenheit die Affäre Borer. Dort fiel eine eidesstattliche Erklärung, die ebenfalls von einer Redaktion regelrecht "beschafft" worden ist, entscheidend in's Gewicht und hinterher erwies sich diese Erklärung als Meineid.
Erreicht war dennoch, dass Borer weg war - und das war wohl den Drahtziehern die Hauptsache.
Sowohl im Fall Borer als auch im heutigen Fall Nef sind Fragen der Qualifikation und der Vertrauenswürdigkeit aus verzerrter Darstellung von Vorkommnissen aus der Privatsphäre destilliert worden. Die Gründe für die Entfernung aus dem Amt mussten aus dem Privatleben abgeleitet werden, weil keine Fehler in der Amtsführung nachzuweisen waren bzw sind, die ausgereicht hätten und heute ausreichen würden, die Betreffenden ihres Amtes zu entheben. (Nach demselben Muster ist ein Grossteil aller Skandale gestrickt : Profumo, Lewinsky etc.)
Das hat mit Pressefreiheit nichts zu tun, sondern ist deren Missbrauch.
Nef muss als "Sack" herhalten, um mit den Schlägen für ganz Anderes als wovon scheinheilig die Rede, den "Esel" Schmid zu treffen.
Und wem "Schmid" warum schon längst nicht mehr genehm ist, weiss und kann wissen, wer es wissen will.
Für denjenigen, der nach Macht strebt und, in deren Reichweite gelangt, nach ihr greift, ist nicht die Wahrheit entscheidend sondern, was dafür auf Grund scheinbarer "Beweise" gehalten wird bzw. als solche verkauft werden kann. Das jedenfalls genügt, um "Politik" - oder auch Marketing - auf Sicht und Absehbarkeit ohne Verantwortung zu machen und zu betreiben.
Die Wahrheit ist vergleichbar mit einem bald überblickbaren, bald unwegsamen Gelände.
Die "Beweise" verhalten sich zur Wahrheit wie das verfügbare Kartenmaterial zum Gelände und sowohl die Verfügbarkeit als auch die Genauigkeit bzw. der Abstraktionsgrad der Karten sind von denen gestaltbar und gestaltet, die über die Darstellungs-, Gestaltungs- und Verbreitungsmittel verfügen.
Dass jemand über Mittel und Kompetenzen verfügt, etwas zu tun, macht ihn - allein und an und für sich - nicht schon vertrauenswürdig. Es stellt einen vor die Entscheidung, will man demjenigen, der über die Mittel und Kompetenzen verfügt, blindlings vertrauen und sich ihm damit entsprechend ausliefern oder was will und kann man sonst tun? Kompromisse in dieser Hinsicht gelingen regelmässig nur scheinbar und sind kaum belastungsfähig.
Die Presse erhält ihr Material zur Verfügung gestellt und handhabt es. Ihre Versorgung mit dem nötigen Material beruht auf Netzwerken und Befangenheiten darin.
Die Medien sind - schon rein logistisch - abhängig von denen, die über diese Mittel verfügen. Sie berichten fortwährend letztlich über nichts Anderes als über sich selbst bzw. über die Ursachen ihrer Abhängigkeiten und rechtfertigen das mit der Beschränktheit ihrer Mittel, die eben nicht wirklich die ihrigen sind. Damit offenbaren sie ihre Unfreiheit, ihre Funktion als Instrument, das nach dem Willen der Mächtigen zu deren Zielen und Zwecken zum Einsatz gelangt.
Die Politik ist der Nebel, der die Sicht auf die Topographie der Wahrheit behindert und verkürzt.
Ist das die Schweizer Presse? - Mal seh'n :
Der Tagesanzeiger ist nicht "klar", sondern mit seiner Frage, ob es für einen Bundesrat noch ausreiche, wenn er sich - mit vernünftigen Gründen - für handlungsfähig halte, vernebelt er, dass er den Willen seines letztlichen, vielgestaltigen Auftraggebers kundtut:
"Schmid soll gehn!".
Die Luzerner Zeitung wird mit ihrer Äusserung keineswegs deutlich, wenn sie kurzerhand behauptet, Schmid habe bei der Rekrutierung des Armeechefs als Einziger einige wesentliche Dinge übersehen. Woher will sie das so plötzlich und bestimmt wissen?
Wo war z.B. sie, die heute so genau Bescheid wissen will, damals, als Schmid angeblich so offenkundige Fehler gemacht haben soll? Hat übrigens - Bitte sehr! - dieser Fehler Schmids zu nachweislichen Fehlern in der Amtsführung Nef's geführt? Ist die Luzerner Zeitung deutlich oder heult sie deutlich erkennbar mit den Wölfen?
"Die Südostschweiz" erklärt sich solidarisch mit denjenigen, die Schmid die Schlinge um den Hals legen und ärgert sich, dass sich Schmid das - zu Recht - nicht gefallen lassen will.
Wie untertänig unkritisch die "Südostschweiz" mithilft, die Unsauberkeit und Rechtswidrigkeit zu vernebeln, mit der der Skandal aktiviert worden ist, ist tatsächlich ein Zeugnis dafür, welch perfide Intelligenz nach Macht Strebende und Greifende entwickeln, wenn es darum geht, ein Ziel, das ihnen nützlich scheint, zu erreichen.
Statt über ihre Brötchengeber äussert sich die NZZ mit einem analytischen Beitrag zur Sache und zu deren weiteren Zusammenhängen.
Wenn sie offenbar davon spricht, der Verteidigunsminister müsse noch deutlicher als bisher erklären was er mit der Armee vorhabe (siehe obiges Link), dann hält sie es für zumindest gangbar, wenn der jetzige Verteidigungsminister seine Amtszeit zu Ende führt. Zu erwähnen wäre natürlich auch, dass ein Verteidigungsminister so deutlich sein kann, wie nur möglich, es kann nicht verhindert werden, dass er von seinen Widersachern absichtlich nicht oder falsch verstanden wird, weil ihn diese nicht akzeptieren. Dann sind da ja auch noch die Fragen der verfügbaren Finanzen, über die bekanntlich kein Departementsvorsteher allein entscheiden kann.
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Demokratie ? -
Demokratie ist eben alles Andere als einfach. Ihr Ziel ist gleichberechtigte Vielfalt. Vielen ist das zu kompliziert, zu anstrengend und nach ihren "einfachen" und entsprechend unzulänglichen Milchmädchenrechnungen zu teuer. Sie suchen in Vergröberungen den bequemsten Ausweg und halten diesen für Fortschritt.
Wer es "einfach" haben will, soll sich kommandieren lassen und sich nicht beschweren. Sie und er erhalten dann halt "einfach", was ihren Kommandeuren und Führern beliebt. Punkt.
Wer Demokratie will, muss selber denken, handeln, Verantwortung übernehmen, Risiken eingehen, sich wehren und gleichzeitig teilnehmen, mittragen, Rücksichten nehmen, Andersartigkeiten ertragen und Wertkonflikte aushalten. Nicht Wenigen ist das etwas zu anstrengend.
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Nun noch zum Blick.
Was dieses Blatt über Nef sagt, kann, im Jargon der Südostschweiz gesprochen, als "Schulbeispiel" für eine Projektion eigener, schlecht gestalteter Wesensanteile auf einen Sündenbock herangezogen werden . Blick überträgt die Befindlichkeit seiner Redaktion auf seine Opfer, um der Illusion Willen, die eigene Unzulänglichkeit durch symbolisch rituelle Schlachtung seiner Opfer (Nef ist nur eines von unzähligen) zu bewältigen und von sich fernzuhalten.
Darauf gründen generell alle Medien zur Vermarktung etwas überwürzter Wert-, Sinn-, Trieb-, Gefühls-, Erlebnis- und Beziehungssurrogate und "Als ob"-Angebote ihre Existenz. Ihr Dienst ist nicht Berichterstattung und Information sondern Errichtung, Betrieb und Unterhalt von Projektionsflächen für gegen ihr Ertrinken in der Masse und in Bedeutungslosigkeit Schwimmenden, Schwadernden und Strampelnden. Nur ihre Logistik ist derjenigen freier Medien, die dieser Benennung einigermassen und unter grossen Mühen gerecht werden, äusserlich und oberflächlich ähnlich und übertrifft diese in der Regel weit an Glanz und Glitter.
Was "Blick" über sein zur Zeit gerade prominentestes Opfer Nef zu sagen sich anmasst, weil er es eigentlich über sich selbst sagen müsste, bedeutet:
"Eine Redaktion, die so eiskalt mit den eigenen Widersprüchen umgeht, macht sich nicht nur unglaubwürdig, sondern ist unberechenbar und als Medium für eine Institution wie die Schweizerische Demokratie unzumutbar".
Diese Aussage ist die echte und wahre.
Womit die Schweizer Presse bzw. das, was diesen Namen nicht mehr verdient, offenbar auch nicht rechnet, ist, dass dem kritischen und Freiheit als Daseinsform und nicht bloss als sentimentale Floskel oder Luxus auffassenden Beobachter aufzufallen beginnen muss und ihm immer weniger verborgen bleiben kann, dass sie nicht mehr frei ist und daher für ihn nutzlos, bedeutungslos und zum reinen Entsorgungsproblem geworden ist.