Was als "Schweiz" noch in den Medien erörtert wird, unter dem Vorwand, über Finanz, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Militär, Neutralität, Sozialstaat, Eigenart, Kultur usf. zu berichten, ist ein Dämmerzustand, der nicht allein diese sondern das sog. Abendland als Ganzes und als kollektive Vorstellung davon betrifft.
Dekonstruktion ist nicht bloss Mode, sie findet notwendigerweise statt. Aber es findet nicht nur diese bzw. nicht nur solche statt.
Das Gefühl, überall, wo es ungefähr wie "Gesellschaft" rauscht oder danach riecht, nicht wirklich da zu sein bzw. dass dort Dasein jeder Ausrichtung und "Wirkung" entbehre, hat mit diesem Dämmerzustand zu tun.
Als Dekonstruktion erscheint diese Dämmerung denen, die über den vergehenden Tag nachgrübeln und die ihre Versäumnisse zu rechtfertigen suchen. - Rechtfertigung als Ersatz für Bewegung und für Verzicht auf in ihren Abend und in die Nacht gleitende, feste und als Errungenschaften festgehaltene "Standpunkte", "Standorte" und "Vorteile".
Sesshaftigkeit statt Lebendigkeit - das ist letztlich die Ursache aller Unausweichlich- keit von Dekonstruktion.
Die Dekonstruktion hat ihren Beweggrund bzw. ihre zwanghafte Wirkung im Überfor- dert Sein des Einzelnen gegenüber der nach bisherigen Denkgewohnheiten und Be- fangenheiten in Wertgemeinschaftszugehörigkeiten "nicht benutzerfreundlich", schon gar "nicht familienfreundlich", in aller Verantwortung spottender Weise "unsozial" jäh sich öffnenden Weite der Wirklichkeit gegenüber der bisherigen Geborgenheit des - weil doch "gut gemeint", als machbar eingebildeten - Wünschbaren.
Überfordert ist der Einzelne nicht in erster Linie charkterlich gegenüber dem Unbe- kannten, sondern durch die Zähigkeit, mit der angedrillte, andressierte, eingepaukte und -geprügelte Rasterung der Wahrnehmung, Deutung und Wertung des Wirklichen quasi die Öffnungen und Sensorien für dazu taugliches, uneingeschränktes Sehen, Hören, Tasten, Riechen und Schmecken verklebt und verharzt.
Die Herausforderung, alles Andressierte und durch Diplome Qualifizierte als künftiger Belanglosigkeit anheim fallend Gewordenes und noch Werdendes aufzugeben, wird als "Dekonstruktion", der einzig wahre Ausweg, sich statt dessen auf durch eigensinnige Erfahrung Erlerntes zu verlassen, als bedrohliche Leere empfunden, erlebt und ge- wertet. Kein Wunder, mangelt es Vielen an "Durchblick". Wie ist Durchblick durch als Leere gedeutete Blindheit denkbar?
Es spielt dabei keine Rolle, ob die Hölle auf "die Andern" oder auf die als Leere miss- verstandene Wirklichkeit projiziert wird.
Die Hölle - oder das "Ende" aller angeblichen Errungenschaften (einschliesslich der Geschichte), ist keine Notwendigkeit und findet nicht in Wirklichkeit, sondern in der Beschränktheit des Vorstell- bzw. Vorgaukelbaren statt. Sie ist die kleinmütige Erfindung derer, die sie "den Andern", vor allem denen wünschen, die nicht an den Himmel für ausgerechnet von demjenigen Gott Auserwählte glauben, der von den Erfindern der Hölle erfunden und den "Heiden" und Ketzern aufgezwungen ist.
Des Ketzers Leben ist dessen eigensinnige und eigengeistige Begegnung mit Gott. Er bedarf dazu keines äusserlichen Antriebs (Motivation), weder durch verheissene Erlösung und Belohnung noch durch angedrohte Verdammnis und Strafe.
Der Ketzer nimmt Gott an, wie er ihm begegnet, nicht, wie er ihn sich und andern, je nach Willkür und Bedarf, wünscht, verheisst oder androht.
Die grosse und radikale Dekonstruktion hat noch nicht begonnen, aber sie kündigt sich da und dort gelegentlich und andeutungsweise statt. Sie gilt dem System von Belohnung und Strafe.
P.S. Dieser Beitrag war als Kommentar zum Beitrag unter gleichlautendem Titel von "unkultur" gedacht, konnte dort aber aus unbekannten Gründen trotz wiederholter Versuche nicht eingetragen werden.