2008-02-29

Der Fluch des Sendungsbewusstseins

Von glaukothyr @ 15:17 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

Wo missioniert wird, werden Kriege unausweichlich.

Missionieren ist die Legitimation bzw. Generalvollmacht, Gewalt anzuwenden.

Das funktioniert so, weil es in einer bis heute nur vordergründig und notdürftig er- aber nicht gründlich und seriös geklärten Art und Weise dazu kommen konnte, dass für die Einrichtung und "Bewährung" (Andauern) solcher Barbarei eine genügend grosse Anzahl Menschen glaubt, es sei tugendhaft, für eine Überzeugung zu sterben und dass diese Tugend, selber um ihrer selbst Willen zu sterben bereit zu sein, den Tugendhaften nicht nur im Sinne seiner Sehnsucht adle sondern ihn auch noch gerade dazu auserwähle, gegen nicht Überzeugte, dafür eigenständig anders Gläubige und Denkende Gewalt anzuwenden, um diese entweder zu "überzeugen" oder zu erniedrigen, zu versklaven bzw. zu vernichten. (Versklavung ist mentale Vernichtung).

Heute spricht man statt von Missionieren lieber von "Überzeugungsarbeit", was aber wenig daran ändert, dass die Wahl der gegenüber dem Adressaten bzw. Opfer dieser mentalen Invasion respektvoll angemessenen Mittel ein grossen Teils noch unbewältigtes Problem darstellt.

Das Wort "Überzeugen" hat etwas mit "Zeugen" (nicht Zeugungstätigkeit) zu tun, die gegen jemand oder gegen etwas aussagen. Es handelt sich dabei eindeutig um eine Überzahl von Aussagen, die einer bestimmten Aussage entgegensteht. "Für seine Überzeugung (sein Überzeugt Werden und Sein) sterben bedeutete daher Sterben Müssen als Folge der Überzeugung, d.h. der Tatsache, dass eine Überzahl von Zeugen den eigenen Standpunkt entkräftet haben, nicht aus dem Willen, zu beweisen, wie sehr man in die Wahrheit dessen glaube, das man für die Wahrheit halten möchte.

Von der ursprünglichen Bedeutung des seit dem 13. Jhdt. bezeugten Wortes der Überführung eines Angeklagten anhand von Zeugenaussagen hat sich im 16. Jahrhundert in theologischen (und inquisitorischen) Diskursen die heutige Bedeutung herauszubilden begonnen und hat sich seit dem 18. Jhdt. behauptet. Anstelle der Zeugen sind es nun Argumente in überlegener Zahl oder von überlegener Qualität getreten, die zur Überzeugung führen.

Die Überzeugung ist aber, da sie eben der quantitativen oder qualitativen Überlegenheit ihrer Elemente gegenüber einer entgegenstehenden Meinung oder einem Zweifel bedarf, lediglich ein behelfsmässiger und vorläufiger Ersatz für schlüssig erwiesene Wahrheit. Das macht sie und auch ihr Zustandekommen grundsätzlich fragwürdig, ganz besonders als Grundlage zur Rechtfertigung welchen Entscheidens oder Handelns zu welchem Zwecke auch immer. Denn die grössere Zahl nur scheinbarer Argumente oder die grössere Autorität ihrer Quelle als Grund für die höhere Einschätzung ihrer Qualität vermag weder über den Wahrheitsgehalt noch über die Wrklichkeitsbezogenheit der Argumente Schlüssiges auszusagen.
Überzeugug ist und bleibt Ergebnis spekulativer und von Empfindungen, Gefühlen, Vorurteilen und Gewohnheiten beeinflusster Abwägung möglicher und beliebiger Argumente gegen ein ander. Sie beruht letztlich auf reiner Plausibilität und rechtfertigt keinerlei Beharren, sondern verleitet zur Rechthaberei, dem Anfang aller Konflikte.

 


2008-02-28

Neue Machtverhältnisse bedürfen der Gestaltung

Von glaukothyr @ 13:59 [ 012 Vermittlung erforderlich ]

An der jüngsten und für einige Zeit vermutlich spektakulärsten Generalversammlung einer hauptsächlich in der Schweiz domizilierten, jedoch international mitkontrollierten und global operierenden Bank hat sich an deren Verwaltungsratspräsidenten eine Wut seitens eines massgeblichen Anteils der Aktionäre und ernst zu nehmender Teile der Öffentlichkeit entzündet, die nur vordergründig der Person, im Wesentlichen aber dem System galt und weiterhin gilt, an dessen Einrichtung, Entwicklung und Manövrierung der viel zu persönlich Geschmähte massgeblich beteiligt war und immer noch ist.

Dieses "System" wird in Zukunft seine Bedenklichkeiten noch schonungsloser und unausweichlicher offenbaren und auch der Politik nicht länger den Schlaf der Selbstzufriedenen und -gerechten gönnen.

Die zweifellos beeindruckend gigantischen Erfolge der Wirtschafts- und Finanzsysteme der letzten Jahrzehnte müssen mit der chaotischen Gesamthheit ohne weitere, zusätzliche Zwänge mit noch grausameren Wirkungen für die Sprach-, Wehr- und Mittellosen unbewältigbaren Zwänge aufgerechnet werden, deren es für die Fortführung der Systeme bedarf, um festzustellen, was sie der Welt und der ganzen Menschheit, nicht nur den Hohepriestern und Obervasallen der Systemkulte wirklich gebracht haben und für jene (die Welt und die Menschheit) künftig zu leisten tauglich sein werden.

Am Anfang stand einmal die Hoffnung, zum Segen Aller ein gigantisches, hochprofitables, technisches, rationales und schliesslich virtuelles 'Nutztier' mit riesigem Ertrag heranzuzüchten. Eine Hydra ist draus geworden.


2008-02-26

Die Zukunft hat schon vor Jahrzehnten begonnen -

Von glaukothyr @ 20:01 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

- ohne die Gestrigen und Vorgestrigen!

Der Fortschrittshorizont der Gestrigen und Vorgestrigen war zu deren Jugendzeit
und ist noch heute ein voll elektrifiziertes und automatisiertes 19. Jahrhundert.
Entsrechend haben sie die Schulen ein- und ihre Kinder darin abgerichtet. Darum
hilft deren allmähliches Aussterben zur Zeit noch wenig.
Zu wenige sind heute auf die Wirklichkeit und die Zwänge zu chaotisch anonym
vernetzter Kollektivität und schwer abschätzbarer Verklüngelung global umspan-
nender Informationsflüsse - und auch Geld ist letztlich nichts als Information -
vorbereitet und gefasst.
Sie vertrauen auf Werte, deren Grundlagen erschüttert werden, verwittern, dahin-
schmelzen und schwinden.
Sie vertrauen auf Einrichtungen und Werkzeuge, die so viel taugen wie
Fliegenklappen gegen Heuschreckenschwärme.


2008-02-23

Dummheit und Debilität

Von glaukothyr @ 22:29 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

Dummheit ist nicht angeboren, sondern andressiert. Die Gedrillten werden darauf
abgerichtet, Antworten auf Fragen bereit zu halten und auf Wink von befugter -
das muss nicht heissen :"berufener" - Seite oder Stelle zu geben, die Niemand
interessieren und die Niemand stellt.

Dummheit ist die Einbildung, Antworten auf nicht Gefragtes seien wahr, da sie
nicht widerlegt und nicht widerlegbar seien. Dogmen und Theorien verdanken ihre
Geltung dieser plausiblen Einbildung.
Wie soll aber eine Aussage Anlass zu Widerspruch geben, die Niemanden ausser
ihren rechthaberischen Autoren interessiert?

Dummheit ist die Trägheit und Feigheit, die einen verzichten macht, die Fragen zu
stellen, die einen interessieren. Dummheit ist der Verlust spontaner Lust auf
Entdeckung eigener Fragen und auf eigene Einsicht und Erkenntnis über die
Bedeutung allen Fragens.

Debilität ist der Verlust der Erinnerung daran, dass man selber Fragen haben und
stellen kann, ungeachtet der Möglichkeit, dass es keine Antwort darauf gibt.


2008-02-22

... Which Swiss Bank? ...

Von glaukothyr @ 10:54 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

 

  • ... CS - Classic für Pleite und Stress.
  • ... UBS - Union Bank of Singapore

 

Intranetmeldung eines global operierenden Finanzkonglomerats an das oberste Kader einer Stratetegieleitstelle in Dehli:

"SWITZERLAND NO MORE IMPORTANT. CAN DELETE FILES"


2008-02-18

Gemeinschaft und Gesellschaft

Von glaukothyr @ 19:53 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

In einer lebendigen Gemeinschaft brauchen die Menschen einander und schätzen sich entsprechend.
In einer Gesellschaft benutzen die Menschen einander und missbrauchen sich entsprechend.
Da ist keine Wertschätzung, sondern situationsbedingte Spekulation auf augenblicklichen oder künftigen Nutzen.
Man nennt das Fortschritt oder jedenfalls den Preis dafür und für die statusgemässen Freiheiten, die man sich leisten oder auch herausnehmen kann, wenn man über die nötigen Mittel und Beziehungen verfügt.
Entgegen der angeblichen Freiheit des Marktes wird niemand nach seiner Bereitschaft gefragt, diesen Preis zu bezahlen. Man wird dazu gezwungen, was eigentlich einer Tributleistung an fremde Herren gleichkommt.


2008-02-09

Morgestraich - Basler Fasnacht - Schnitzelbangg - "Meergelistraich"

Von glaukothyr @ 12:13 [ 012 Vermittlung erforderlich ]
Meergelistraich - Jetz gib aber iich uuss!

E guets Meergeli Herr Mänggeli
My Glickwunsch ze ihre Ränggeli
und au: "Tschuldigung!"
fir dië Huldigung
ans' Nyttige
statts' Hittige.
Jetzd isch's verby.
S'isch eh nytt gsii.

Übertragung ins Schriftdeutsch für mit dem Alemannischen nicht Vertraute:

Ei gutes Mörgelein Herr (Be)mängele(r)
Mein Glückwunsch zu Ihren Ränkelchen
und auch: "Entschuldigung!"
für die (überflüssige) Huldigung
ans' Nichtige
statt Wichtige (Heutige).
Nun ist's vorbei.
War eh nur Geschrei (um Nichts).

2008-02-05

Naturwissenschaften

Von glaukothyr @ 16:46 [ 011 Sparringpartner gesucht ]

Der Versuch, "Natur" und "Wissen mit einander in eine dauerhafte, geregelte Bezie-
hung zu bringen, ist eine intellektuelle Verzweiflungstat.
Wissen ist selber von allem, was es zu erkennen, zu deuten und zu beherrschen trachtet, bedingt und Teil davon. Es hat daher die Tendenz zur ipsoreferentiellen Aussage, ist also bestenfalls eine Aussage der Beziehung seiner Entstehung dazu, wodurch es bedingt ist.

Natur, Wirklichkeit ganz generell, kann nie als das, was und wie es ist und wirkt, Wissbares oder gar Gewusstes sein. Wissen kann nur Bilder und Modelle, die durch verschiedenartigstes Denken von Erfahrenem und Beobachtetem bisher gemacht worden sind, zusammenfassen, miteinander vergleichen, deuten, bevorzugen oder verschmähen und ist, wie eben erwähnt, immer nur Wissen um Wissen über etwas, worüber welche, aus was für Bewegründen auch immer, etwas zu sagen haben wollten und wollen.

Selbst die technisch ausgeklügelste und aufwändigste Methode kann dieser Bedingtheit des Denkens nicht entkommen.

Dafür, ob es andere Möglichkeiten gibt, die Schranken dieser Bedingtheit zu überwinden, interessiert sich die etablierte (d.h. die mit bestimmten Absichten finanzierte) Wissenschaft nicht. Sie erachtet es als unter ihrer Würde. Diesen Hochmuth könnte sie sich ersparen, denn sie taugt von vornherein nicht dazu.