Der Fluch des Sendungsbewusstseins
| Von glaukothyr @ 15:17 | [ 013 Teilchenbeschleuniger ] |
Wo missioniert wird, werden Kriege unausweichlich.
Missionieren ist die Legitimation bzw. Generalvollmacht, Gewalt anzuwenden.
Das funktioniert so, weil es in einer bis heute nur vordergründig und notdürftig er- aber nicht gründlich und seriös geklärten Art und Weise dazu kommen konnte, dass für die Einrichtung und "Bewährung" (Andauern) solcher Barbarei eine genügend grosse Anzahl Menschen glaubt, es sei tugendhaft, für eine Überzeugung zu sterben und dass diese Tugend, selber um ihrer selbst Willen zu sterben bereit zu sein, den Tugendhaften nicht nur im Sinne seiner Sehnsucht adle sondern ihn auch noch gerade dazu auserwähle, gegen nicht Überzeugte, dafür eigenständig anders Gläubige und Denkende Gewalt anzuwenden, um diese entweder zu "überzeugen" oder zu erniedrigen, zu versklaven bzw. zu vernichten. (Versklavung ist mentale Vernichtung).
Heute spricht man statt von Missionieren lieber von "Überzeugungsarbeit", was aber wenig daran ändert, dass die Wahl der gegenüber dem Adressaten bzw. Opfer dieser mentalen Invasion respektvoll angemessenen Mittel ein grossen Teils noch unbewältigtes Problem darstellt.
Das Wort "Überzeugen" hat etwas mit "Zeugen" (nicht Zeugungstätigkeit) zu tun, die gegen jemand oder gegen etwas aussagen. Es handelt sich dabei eindeutig um eine Überzahl von Aussagen, die einer bestimmten Aussage entgegensteht. "Für seine Überzeugung (sein Überzeugt Werden und Sein) sterben bedeutete daher Sterben Müssen als Folge der Überzeugung, d.h. der Tatsache, dass eine Überzahl von Zeugen den eigenen Standpunkt entkräftet haben, nicht aus dem Willen, zu beweisen, wie sehr man in die Wahrheit dessen glaube, das man für die Wahrheit halten möchte.
Von der ursprünglichen Bedeutung des seit dem 13. Jhdt. bezeugten Wortes der Überführung eines Angeklagten anhand von Zeugenaussagen hat sich im 16. Jahrhundert in theologischen (und inquisitorischen) Diskursen die heutige Bedeutung herauszubilden begonnen und hat sich seit dem 18. Jhdt. behauptet. Anstelle der Zeugen sind es nun Argumente in überlegener Zahl oder von überlegener Qualität getreten, die zur Überzeugung führen.
Die Überzeugung ist aber, da sie eben der quantitativen oder qualitativen Überlegenheit ihrer Elemente gegenüber einer entgegenstehenden Meinung oder einem Zweifel bedarf, lediglich ein behelfsmässiger und vorläufiger Ersatz für schlüssig erwiesene Wahrheit. Das macht sie und auch ihr Zustandekommen grundsätzlich fragwürdig, ganz besonders als Grundlage zur Rechtfertigung welchen Entscheidens oder Handelns zu welchem Zwecke auch immer. Denn die grössere Zahl nur scheinbarer Argumente oder die grössere Autorität ihrer Quelle als Grund für die höhere Einschätzung ihrer Qualität vermag weder über den Wahrheitsgehalt noch über die Wrklichkeitsbezogenheit der Argumente Schlüssiges auszusagen.
Überzeugug ist und bleibt Ergebnis spekulativer und von Empfindungen, Gefühlen, Vorurteilen und Gewohnheiten beeinflusster Abwägung möglicher und beliebiger Argumente gegen ein ander. Sie beruht letztlich auf reiner Plausibilität und rechtfertigt keinerlei Beharren, sondern verleitet zur Rechthaberei, dem Anfang aller Konflikte.



