Archetypus - Mem - Protognomorion
| Von glaukothyr @ 18:29 | [ 013 Teilchenbeschleuniger ] |
Das Mem
Das Mem und dessen Vergewaltigung in der sog. 'Memetik' für die hemmungslose Vermarktung bzw. Verbreitung jedwelcher Ideen und Ideologieen sind zur Bewaffnung und Ausrüstung von Warlords permutiert, die auf Schlachtfeldern des Kausalen und Mentalen virtuell und virtuos operieren. Die Definition des Mems ist dabei bereits stark strapaziert worden.
Die Bedeutung des Begriffs 'Mem' ist bereits so stark generalisiert, dass darunter eine Marketingstrategie wie auch die epidemische Verbreitung einer Mode oder ein Dogma mit Autoritätsanspuch verstanden werden kann.
Vielleicht trägt es etwas zur Klärung bei, unter einem Mem eine Idee einschliesslich der dazu assoziierten Empfindungen und Gefühle zu verstehen, die zu verbreiten ein mit Durchsetzungspotential kritischer Stärke kombiniertes Bedürfnis von kritischer Intensität besteht. Die Motive und Ziele sind im Durchsetzungpotential und im Bedürfnis auf von Fall zu Fall besondere Art eingebettet.
Die Entstehung des Durchsetzungpotentials und des Verbreitungsbedürfnisses können dabei durch den Ideengehalt bedingt sein oder durch Umstände ausserhalb und fern der Idee selbst generiert in Koinzidenz mit deren Entstehung und Verbreitung fallen.
Zwischen Durchsetzungspotential und Verbreitungsbedürfnis dürften regelmässig Wechselwirkungen zu vermuten sein und überprüfenswert scheinen.
Das Protognomorion
Das Protognomorion (Proto = vor; Gnoma = Kennzeichen, Kenntnis, Meinung; Gnome = (u.a.!): Überlegung, Einsicht, Erkenntnis; morion = Teilchen) steht im Gegensatz zum Mem quasi am 'untern' Ende der Komplexitätsskala mentaler Wirklichkeiten, nämlich bei den 'Urteilchen', die Deutlichkeit (das, was etwas übehaupt deutbar macht) bewirken, welche (die Deutlichkeit) ihrerseits Voraussetzung für Vorstellungen, Begriffe und Ideen ist, die abermals ihrerseits Aspekte des Ausdrucks all' des unter altgriechisch 'Gnoma' und 'Gnome' Verstandenen sind.
Das Protognomorion ist allerdings nicht nur und erst als Sprach- oder Signalpartikel aufzufassen, sondern auch als typisches bzw. beliebtes Muster, wonach sich mentale und emotionale Grundinhalte wie erinnertes Tönen, Rauschen, Riechen, Erscheinen (was noch nicht Ton, Geräusch, Geruch und Form oder gar Gestalt ist) zu namhaften bzw. sprachlich markierten oder markierbaren Vorstellungen und Bildern zusammenfügen. Es schliesst auch die Umstände und deren signifikante Eigenarten mit ein, unter denen einfachst mögliche Aussagen über knappestmöglich bewusst gewordene Vorstellungen nah der Grenze des bei weiterer Abstraktion und Reduktion nicht mehr umgangs- und alltagssprachlich und nicht symbolhaft Ausdrückbaren deutlich und ausdrücklich werden.
Protognomorion und jungscher Archetypus
Das Protognomorion ist vom jungschen Archetypus etwas weiter entfernt und erheblich näher an der Grenze zum Anschaulichen und Deutlichen als die von Jung definierten archetypischen Vorstellungen. Die archetypischen Bilder haben zwar bereits sprachlichen Ausdruck (Tag, Nacht, Sonne, Mond, Vater, Mutter usf.) aber bilden quasi nur die ins sprachkundige Bewusstsein hochragende 'Spitze des' im Meer des Unbewussten schwimmenden 'Eisbergs' mit all seinen magischen und mythischen Assoziationen.
Der Begriff des Protognomorion ist nicht den jungschen Grundbegriffen des Archetypus und der archetypischen Vorstellung entgegengesetzt, sondern will der grotesk inflationären Verwendung des Begriffs Archetypus entgegenwirken.
Die archetypischen Vorstellungen weisen so hochgradige Vernetzungen zu magischen, mythischen und mystischen Potentialen auf, dass sie, bei ihrer unbestreitbaren Allgegenwart im menschlichen Empfinden, Wahrnehmen, Fühlen und Denken quasi als Elementar-meme aufgefasst werden können.
Die Archetypische Vorstellung und das Mem sind Massenfriedhöfe bis zur Unkenntlichkeit fermentierter Protognomorien. Die Protognomorien sind den ehemals lebenden Organismen vergleichbar, von denen heute die fossilen Lagerstätten zeugen. Im Unterschied zu jenen bleiben sie aber ausserhalb der Zeit und sind rein virtueller Natur. Sie kommen nicht konkret als Sprachbausteine oder Begriffe, sondern bestenfals als ethymologisch nachweisbare Spuren vor, aber nicht nur als solche, sondern auch als Ergebnisse methodischer Vergleiche ähnlich anmutender Verknüpfungen zwischen Aussagetypen und -kategorieen.
Der Begriff des Protognomorion ergibt sich aus einer grundlegend anderen Anschauung als diejenige, die Jung zur Prägung des Begriffs 'Archetypus' veranlasst hat. Der Zugang zum Gegenstand ist viel technischer und interessiert sich für Prozesse, nach denen sich Vorstellungen sowie die Worte, Signale und Begriffe dafür bilden und für die Bedingungen, unter denen das geschieht oder nicht geschieht.
Damit wird nicht die mögliche Vermutung disqualifiziert, dass das Protognomorion und die archetypische Vorstellung teilweise gemeinsame Wirkungen, Erscheinungsformen und Schicksale haben könnten.
Die Hypothese von Protognomorion und Epignomorion
Das 'Protognomorion' ist ein Arbeitsbegriff zur vorgeschlagenen Erkundung einfachst möglicher Bedeutungsbausteine für die Erzeugung von Vorstellungen und Absurditäten. Die Hypothese lautet vereinfacht, dass relativ einfache und eindeutig scheinende Vorstellungen aus unzertrennlich miteinander verschmolzenen Protoglomorien bestehen, bei deren Verschmelzung evt. auch Fragmente als Epignomorien abfallen und in die dem Bewusstsein gemäss gegenwärtigem Stand seiner Evolution nicht zugänglichen, utopischen und dystopischen Wirklichkeiten abgegeben werden.
Anmerkung:
(altgriechisch 'Gnome' ist ausserordentlich vieldeutig : Verstand, Intelligenz, Überlegung, Einsicht, Erkenntnis, Meinung, Urteil, Ansicht, Erwartung, Wunsch, Gesinnung, Überzeugung, Absicht, Sinn, Beweggrund, Entschluss, Beschluss, Rat, Antrag, Vorschlag. Vgl. dazu Langenscheidts Taschenwörtebuch Altgriechisch 8. Aufl. 2000 ISBN 3-468-10031-0 S. 102)



