Das Versprechen
| Von glaukothyr @ 02:18 | [ Ego, Agglomer- und Aggregate ] |
Wie ein Politiker habe ich versprochen: "I'll be back" und wie ein Politiker löse ich das Versprechen völlig willkürlich nach meinen Vorstellungen ein.
Was da "zurück" ist, ist nicht mehr "Ich" von damals und "hier" ist heute anders als damals, auch wenn die Adresse noch gleich lautet.
Alle Versprechen übrigens sind politisch. Das Versprechen ist ein Artefakt der Zivilisation, eine Institutionalisierung der Bequemlichkeit, nicht kämpfen zu müssen, um etwas zu erlangen.
Diese Bequemlichkeit kann, will und muss aber nur anbieten, wessen aggressive Gewaltbereitschaft potentiell grösser ist als die Bereitschaft, auf das, wozu das Versprechen Zugang verheisst, zu verzichten.
Das Versprechen ist also das Angebot eines Handels statt eines Kriegs, um den Versprechensempfänger zu etwas zu bewegen, wozu er nicht aus selbst frei gebildetem Willen bereit wäre. Die gewisse Affinität zwischen Handel und Krieg ist quasi in die Motivation des Versprechens verpackt.
Der Beweggrund, das Versprechen anzunehmen und ein Gegenversprechen zu leisten ist auch für den Versprechensempfänger die Bequemlichkeit, ohne Kampf und dessen Risiken weiter zu kommen.
Diese Grundstruktur des Versprechensmotivs hindert nicht, ein Versprechen ohne aggressiven Beweggrund zu formulieren und zu geben, aber es kann der Natur der Friedlichkeit nicht entsprechen, den Verzicht auf aggressive Absicht zu erzwingen und zu kontrollieren.
Eine weitere, sehr übliche und raffiniert verfeinerte Form ist das Versprechen, unter Bedingungen zu geben, was man vorher anderswo oder beim wehr- oder ahnungslosen Versprechensempfänger vorher selber mit Lug, List, Trug oder Gewalt weggenommen hat, um es als Geschenk, Spende, Almosen, Hilfeleistung teilweise zurückzugeben oder schlicht zu verkaufen.
Der nicht zu Gewalt Bereite hat von sich aus keinerlei Anlass, ein Versprechen zu geben weil er nicht begehrt, was er merkt, dass der andere es haben muss oder meint, es haben zu müssen. Für ihn, den Friedlichen und Genügsamen, gibt es im Notfall seinerseits nur die Bitte und das Verprechen eines Entgelts für die Gewährung der Bitte.
In komplexen Gesellschaften mit hochkomplizierten Bedürfnissen sind in den in Abmachungen einander gegenübergestellten Versprechungen immer alle hier aufgereihten Aspekte und Beweggründe enthalten und kaum von einander zu trennen.
Der Gehalt an unterschwelliger Drohung in allen Versprechens.- bzw. Vertragsbeziehungen ist ein nicht zu unterschätzender allgegenwärtiger psychischer Verschleissfaktor.
Mir persönlich ging es darum, nicht einfach nichts zu sagen, weil es nichts zu sagen gab und ich zu feige war, einzugestehen, dass es nichts zu sagen gab.
"I'll be back" bedeutete damals: "Ich hoffe, dass es für mich hier wieder einmal etwas zu sagen gibt, obwohl es im Moment eigentlich gar nicht danach aussieht, und dass ich dann fähig sein werde, es auch zu sagen". Das ist ja genau das, was man eigentlich von den meisten Politikern ununterbrochen hört.
Das einzig Richtige was es nun für mich zu sagen geben kann, ist, dass ich mir abgewöhnen will, Versprechungen zu machen statt einfach und klar zu handeln.
In mancher Hinsicht ist das ein Abschied von Allem, was bisher auf Versprechungen und nichts weiter beruht hat. "Versprechungen" können ja auch faule Ausreden sein für Dinge, die man sich sonst nicht getrauen würde.
Nun bin ich also, ob versprochen oder nicht, wieder da. Ich habe eine Zeit hinter mir, während der ich meinte, mir und andern beweisen zu müssen, dass ich weiss, wie unentbehrlich Besitz ist und wie man gewinnbringend damit umgeht bzw. umgehen sollte.
Ich habe das Besitzen auch eine schöne Weile genossen. In jüngerer Zeit ist Besitz aber zusehends lästiger, umständlicher, unbefriedigender und unzuverlässiger geworden.
Die Gründe dafür erfahren die Einen aus den Medien, die Andern am eigenen Leib.
Dazu gibt es ausser der Wahrheit nichts zu sagen, aber die will ja offenbar, jedenfalls wenn man vorallem Führenden zuhört, Niemand wissen, weil man dann nämlich lernen müsste, ohne Führende auszukommen und zu leben.
Führende zu haben, um sich wider alle Vernunft auf sie verlassen und sie dann, wenn das vernunftgemäss zu Erwartende aber scheinheilig Unerwartete eintritt, der Gier, des Verrats, der Korruption, der Inkompetenz zu zichtigen ist halt viel bequemer, jedenfalls, solang alles gut läuft, als selber denken, entscheiden und handeln.
Nun bin ich befreit von dem Zuvielen, worum ich benieden werden könnte oder müsste und ich werde Lumpensammler.
Sollte sich je eine geneigte Leserin, ein aufmerksamer Leser hierher verirren, könnte ihr/ihm künftig Textmaterial begegnen, das ihr/ihm vorkommt, als habe sie/er das schon anderswo gelesen. Sie und er werden sich nicht täuschen.
Natürlich sind die Grenzen zwischen Sammeln und Klau fliessend - jedenfalls für Heuchler. Für mich ist die Grenze glasklar und messerscharf. Ich nehme Nichts, worauf jemand meint, Urheberansprüche zu erheben, um als Autor oder Wichtigtuer nicht unterzugehen.
Wo ich auch nur den leisesten Verdacht hegen muss, da meine jemand, seine Existenz markieren und verteidigen zu müssen, werde ich mit der peinlichen Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit und Pinggeligkeit zitieren, an der es zu Guttenberg sträflich hat mangeln lassen.
Persönlich allerdings habe ich dafür, dass Guttenberg zu faul war, jedesmal Zitatinterpunktionen zu setzen, grosses Verständnis. Ich jedenfalls wäre sogar zu faul gewesen, diese Zitatstellen überhaupt zu lesen geschweige denn auch noch zu kopieren. Ich versteh daher die Wertediskussion in diesem Zusammenhang nicht so recht.
Guttenberg war doch immerhin in gewisser rührender Art und Weise unglaublich fleissig, während ich mich hier als liederlicher Faulpelz ungestraft über ihn ergötze, dazu erst noch viel zu spät, wo das doch längst kein Thema mehr! Aber was hier geschrieben steht wird ja vermutlich viel zuverlässiger, als Guttenberg von seiner Diss. hoffen durfte, von niemand gelesen.
Wissen Sie, das mit dem Urheberrecht ist ohnehin so eine eher heuchlerische Angelegenheit. Der wahre Urheber kümmert sich nicht darum. Er weiss um die Unerschöpflichkeit seiner Einfälle und weiss wes Geistes Kind sie ist. Er braucht keine Juristen um schreiben zu können, was zu schreiben ihn drängt. Das Neue reisst ihn fort vom Alten von Einst und er trauert altem Glanz und noch mehr altem Schmer nicht nach. Und der belesene Kenner erkennt den wahren Urheber auch im Plagiat, falls ihn ein solches überhaupt zu interessieren vermag. Die Urheberrechtsschützer schmarotzen nicht minder als die Plagiatoren.
Spätestens in 200 Jahren gibt's kein Immaterialgüterrecht mehr. Man würde schlimmstenfalls und spätestens aus den Kriegen, die es verursacht haben würde, wenn man nicht schon vorher einsichtig geworden wäre, gelernt haben.



