2009-09-09

Irrtum

Von glaukothyr @ 03:18 [ Blog Administration und Infos ]

Anlässlich der Umstrukturierung der Abos bei Swisscom wurde vom telefonischen Kundendienst die Anfrage, ob der blueblog beibehalten werden könne, verneint. Die Einträge würden zwar nicht gelöscht, aber neue Beiträge könnten nicht mehr hinzugefügt werden, hiess es. Dieser Test scheint dies zu wiederlegen.

Das muss aber nicht heissen, dass Glaukothyr hierher zurückkehren und hier wieder aufleben wird. 


2009-08-28

Ende ohne langen Abschied

Von glaukothyr @ 09:24 [ Ego, Agglomer- und Aggregate ]

Es hat alles ein Ende. das ist gewiss.

Ungewiss bis zuletzt bleibt, wie das Ende stattfinden und aussehen wird, wie und wo es schmerzen wird.

Dies ist das Ende von Glaukothyr. Für Eingeweihte zwar voraussehbar und sogar in Kauf genommen (aus technischen und finanziellen Gründen), aber nicht in dieser Form geplant.

Vieles hat in der letzten Zeit nach Ausdruck verlangt. Eine Flut (allerdings ebenfalls für neue Ziele in Kauf genommener) Sachzwänge jeder denkbaren Art, haben diesen Ausdruck mitgerissen.  Was davon überleben wird, wird an andern Ufern sich aufrappeln.

Den Lesern von Glaukothyr sei herzlicher Dank.

 


2009-07-19

Demokratie und Rechtsstaat auf des Messers Schneide

Von glaukothyr @ 18:28 [ CH-Bananenplantagen ]

Die im letzten Eintrag dramatisierte "Zerfetzung des Rechtsstaates" hat nun doch (noch) nicht symbolisch als solche stattgefunden.
Eine Gelegenheit zum Verschnaufen, kein Grund aber, aufzuatmen.
Viele Fragen sind unbeantwortet und viele Verhängnisse werden weiterhin von den einen, denen sie peinlich, als Routine hingestellt, von den andern, denen sie ungeheuer, als Normalität bzw. als Unabänderlichkeit hingenommen, in einem den Angehörigen der kontinentaleuropäischen Machteliten um die Mitte des 18. Jahrhunderts auffällig ähnlichen Geiste, der in einem angeblichen Ausspruch des Monarchen oder seiner einflussreichsten Mätresse seine der Nachwelt überlieferte Prägung fand :

"Après moi (nous) le déluge".

Der Ausspruch, ob jemals getan oder nicht, ist sehr vielschichtig.
Man könnte ihn auch als das e=mc² der Physik der Kontrolle über Kollektive ettikettieren :

Macht erhält und erneuert sich durch aus ihrer langzeitigen Wirkung und Dynamik periodisch fällige Krisen und Zusammenbrüche, deren Wirren sie nutzt, um sich den künftigen Herausforderungen, von den sich zu früh als Gewinner, Sieger und neue Herrscher Wähnenden unbemerkt, angemessen neu zu organisieren.
 
Die Geschichtsschreibung im Dienste der jeweils neu organisierten Macht, diente regelmässig dazu, den Umsturz bzw. die effektvoll gefeierte aber nicht wirkliche und nachhaltige Überwindung der Krise als Entwicklungsschritt Richtung verbesserter Zivilisation und Mehr an Menschenwürde und Gerechtigkeit darzustellen und dabei die unter der Verkleidung des Neuen und "Neuzeitlichen" verborgen wirkende Kontinuität der Innehabung der Kontrolle über die zentralsten Schaltstellen der Steuerung alles Kollektiven unberührt zu lassen bzw. höchstens unter soziokulturellen bzw. kulturökonomischen Gesichtspunkten zu kommentieren und feuilletonieren.
 
Zurück zum eher kleinlichen, aber zur "Staatsaffäre" aufgeblähten Schwank um einige Fetzen Papiers:
Ein ermutigendes Zeichen für einen Rest Vertändnis für Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Gewaltenteilung im Bundesrat ist, dass er die Notwendigkeit eingesehen hat, von einer unabhängigen, jedenfalls mit guten Gründen für in der Sache unparteiisch urteilend gehaltenen Instanz verifizieren zu lassen, dass der Rechtspflege keine Dokumente vorenthalten werden, deren sie für die Untersuchung und Verfolgung von Delikten gegen die Unabhängigkeit und Sicherheit des Staates bedarf, wozu sie nicht nur ermächtigt, sondern von Verfassung und Gesetz genau so beauftragt ist, wie der Bundesrat, im Interesse der Sicherheit des Staates zu handeln.
Ganz klar, auch die Wahrung der Sicherheit des Staates ist eine Aufgabe aller drei politischen Gewalten, und damit, dass sie dazu nach unterschiedlichen Gesichtspunkten und mit verschiedenen Kompetenzen handeln und vorgehen sollen, meint die Verfassung wohl eher, dass die Gewalten ihren Eigenarten und Befugnissen gemäss zusammen arbeiten und Wege der Zusammenarbeit erschliessen sollen statt sich gegenseitig davon ausschliessen und behindern.
 
Tatsache bleibt einerseits, dass es doch einigen Druckes bedurfte, den Bundesrat zu dieser Einsicht zu bewegen, ist es gleichzeitig aber auch andererseits, dass dieser Druck politisch wirksam aufgebaut und zur Wirkung gebracht werden konnte, was eben doch auch als ein Zeichen dafür gedeutet werden kann, dass der letzte Funke vitalen Demokratieerhaltungs- und -entwicklungswillens noch nicht aus dem Körper der Schweizerischen Politik gewichen ist.
So viel zur Erleichterung eines "patriotisch rechtschaffenen Gewissens" im Rahmen des politisch Gewohnten und Gemütlichen, wo das eingangs erwähnte, den Machtverwaltern Peinliche, ihren Vasallen und Hörigen Ungeheure noch nicht wahrzunemen ist.
Was könnte das denn sein?
Zunächst ist da etwas zu Bereinigendes, das in den Köpfen Führungsgläubiger und -höriger immer noch herumspukt, da es einem Glaubensbekenntnis zur totalen Effizienzkonkurrenz "zum Besten Aller", letztlich sogar auch der davon rücksichtslos Überrollten, Weggespickten und Zerquetschten, wirke und darum glaubt, ein moderner Staat, aufgefasst als Effizienzmaximierungskollektiv, sei nach den Massgaben auf dauerhafte Höchstleitung angetriebener Massen Leistungsfähiger, also wie eine private wirtschaftliche Unternehmung zu führen.
Das so maximierte und raffiniert umverteilte Bruttosozialprodukt reiche dann ohne weiteres, auch die Überrollten, Weggespickten, Gestrandeten und Zerquetschten so weit wieder herzustellen, dass sie die Errungenschaften des Effizienzmaximierungskultes dankbar hinnehmen würden, weil sie ja keinerlei Argumente dafür haben können, wie es ihnen ergangen wäre und erginge, wenn der Kult, dessen Opfer und dann Gesegnete sie geworden, nicht stattgefünden hätte und immer noch stattfände. (Auch Glaukothyr war einst von dieser Idee begeistert und stieg mit wehenden Fahnen ins Experiment der allmächtigen Effizienz.)
Das global angesetzte Experiment mit der maximierten Effizienz musste teils mit Terror und Kriegen erzwungen werden und ist dennoch globalfatal gescheitert. Und das liegt auch an den Führungskonzepten, von denen man glaubte und hoffte, sie führten das Experiment zum Erfolg. Diesen Konzepten war das Prinzip der Durchsetzung gegen Widerstände zu Grunde gelegt.
Genau, dass diese Einsicht des Scheiterns bisheriger Führungskonzepte zur allgemeinen werden könnte, ist für die einen peinlich, für die andern ungeheuer - und die Falschen (diejenigen, die sich künftig zu früh zu den künftigern Gewinnern zählen möchten) wittern darin "Morgenluft".

Der sich noch zögernd regende Zweifel an den bisher hoch geschätzten Führungskonzepten ist aber nur das oberflächliche Kräuseln einer viel tieftründigeren Strömung.

Der Bundesrat war von vorne herein unfähig, aus eigener Kompetenz zu verstehen, was in den Unterlagen, die er hat vernichten lassen, einerseits gestanden hat (und deren Übereinstimmung mit den noch vorhandenen "Kopieen" ja nicht mehr verifizierbar ist und bis ins Einzelne festzustellen der Bundesrat aus eigener Sachkompetenz nie fähig war, - woraus ihm kein Vorwurf gemacht werden kann, was aber unumstössliche Tatsache bleibt), und was in den Papieren steht, um deren Vernichtung es heute noch geht, andererseits. Er musste sich von ausländischen Experten sagen lassen, dass es sich um Pläne oder um wichtige Teile davon zum Bau von Atombomben handle und muss das einfach glauben.
Rein optisch und materiell handelt es sich um mit mathematischen, physikalischen und evt. auch chemischen Formeln oder nach solchen aussehenden Zeichenkompositionen vollgeschriebenes Papier; die Zeichen könnten auch völllig Anderes oder  sogar rein Nichts bedeuten und darstellen.
Die Öffentlichkeit und ihre Vertreter sind darauf angewiesen und haben keine andere Wahl als (jedenfalls offiziell) zu glauben, was (nicht frei auswählbare) Experten zur Deutung dieser Zeichen meinen. Nach mathematisch strenger Logik bleibt Skepsis an der Wahrheit dieser Aussagen zulässig.
Der Bundesrat, aber nicht nur er, sondern der ganze politische Apparat stehen in dieser Hinsicht quasi unter Vormundschaft von für Wissende Gehaltenen, deren Wissen so exklusiv ist oder von einem engen Kreis Auserkorener für so exclusiv ausgegeben wird, dass es schwierig wird, jemand Unabhängigen zu finden, der dieses Wissen bestätigen oder in Zweifel ziehen kann.

Wohl keine Regierung, kein Parlament und kein Justizapparat auf der Welt befindet sich hier in einer grundsätzlich gegenüber exclusivem Wissen unabhängigeren Situation.
Das wirft Fragen danach auf, wie weit Politik überhaupt noch eigenständig entscheiden kann und wie weit sie immer mehr von Potentialen exklusiven und schwer verständlichen Wissens beeinflusst und gar gelenkt wird - wenn es sich denn um wirkliches Wissen handelt und nicht um blosse Vortäuschungen zur Beeinflussung politischer Entscheide.
In vergleichbaren, wenn auch nicht so extrem eingeengten Abhängigkeiten befinden sich politisch organisierte Risiko- und Effizienzkollektive hinsichtlich der Beurteilung von Epi- und Pandemieen und dem Aufwand für geeignete Vorsorge.
 

So oder so bleibt die Vernichtung von mit Wissen beschriebenem Papier eine Art symbolisch magischer Akt des Bannens einer unbezwingbaren Gefahr, die sich grössten Teils aus der Ohnmacht eigenen Unwissens ergibt.
Die Aufzeichnung von Wissen beweist ja, dass das Aufgezeichnete als Wissen vorhanden ist und seinen Ursprung anderswo hat, als wo die Aufzeichnung sich befindet. Die Quelle des Wissens wird mit der Vernichtung einer aus ihr stammenden Aufzeichnung nicht zum Versiegen gebracht und es bleibt ungewiss, wie weit das Wissen anderweitig verbreitet ist. Das wirklich Gefährliche, die Idee, Kernkraft als Zerstörungspotential zu missbrauchen, ist in die Welt gesetzt und kann nicht mehr aus ihr gelöscht werden. Viel gefährlicher, als alles Wissen ist der Wahn, Wissensvorsprung als Mittel zum Machtgewinn über vermeintlich Unterlegene einsetzen zu können und diesen endlosen Wettlauf um den entscheidenden Vorsprung wiederholt und beliebig lange fortgesetzt eindeutig für sich entscheiden zu können.

Daneben gibt es schon seit den 40er-Jahren letzten Jahrhunderts Forschungs- und Entwicklungsbereiche und -tätigkeiten, von denen die Öffentlichkeit nirgends auf der Welt auch nur ahnt (wiewohl sie sie direkt oder indirekt mitfinanziert und dafür arbeitet, dass Voraussetzungen für sie geschafffen werden), worum es dort wirklich geht und auf deren Ergebnisse und mögliche Konsequenzen sie in ihrem nie aufholbaren Wissensrückstand häppchenweise vorbereitet und angewöhnt wird, bevor sie sich vor vollendete und höchstens unter Verlusten rückgängig zu machende Tatsachen gestellt sieht, an denen mit Politik nur unter Aushaltung grosser Spannungen und Belastungen noch etwas zu ändern ist.
Hier müssen grundsätzliche Fragen zur Tauglicherhaltung und Weiterentwicklung von Demokratie gestellt un erörtert werden, bevor es unwiederbringlich zu spät ist. Spät ist es bereits - wie schon vor 250 Jahren.

 


2009-07-10

Gedanken über die Zerfetzung des Rechtsstaates

Von glaukothyr @ 20:15 [ CH-Bananenplantagen ]

Die Auseinandersetzung zwischen Regierung und Rechtspflege war überfällig.
Es gab bereits frühere Turbulenzen zwischen diesen beiden, gemäss Verfassung getrennten und getrennt zu bleibenden Gewalten.
Sie wurden der Öffentlichkeit regelmässig als persönliche Machtkämpfe zwischen politischen Primadonnen plausibel gemacht.

In Wirklichkeit und im Wesentlichen geht es um die Konkurrenz zwischen Executivstaat und dem Rechtsstaat, m.a.W. um die Entscheidung, ob politisch organisierte Kollektivität (heute noch unter dem Begriff "Staat" aufgefasst und erörtert) sich Richtung menschenwürdiger, auf Recht gründender Gemeinschaft oder Richtung "Political Mass-Control", das heisst zu territorial gegeneinander abgegrenzten, nach "fürsorglich" autoritären Führungsprinzipen verwalteten und durch Sach- und Administrativzwänge gelenkten, gesichts- und sprachlos gemachten Massen.
Es braucht nicht allzuviel Anstrengung und Fantasie, sich vorstellen zu können, welche Seite diese Entscheidung ohne Mitwirkung der mitverantwortlichen Gewalten und Kräfte herbeizuführen bestrebt ist.

Das Argument mit der Sicherheit des Staates ist so alt wie der Anspruch auf die Kontrolle über den Staat und gemeint ist nie wirklich die Sicherheit der Rechtsordnung, der Bürger und der Bevölkerung sondern regelmässig und dem Wesen aller Erstrebung und Innehabung ungeteilter Macht entsprechend die Unantastbarkeit der Positionen der in den jeweils aktuellen Machtkonstellationen etablierten Eliten und Akteure.

Regelmässig braucht der wirkliche Bestand des Sicherheitsbedürfnisses von denjenigen, die dieses geltend machen, nur behauptet und nicht einmal nur glaubhaft gemacht, geschweige denn nachgewiesen werden. Dieser Nachweis wird seinerseits mit der Behauptung verweigert, dass eben dieser die Sicherheit des Staates gefährden würde.
Wie gesagt, geht es in diesen Fällen nicht um die Sicherheit des Staates, sondern um die Unantasbarkeit aktueller Machtkonstellationen bzw. um deren Immunität gegen Grundsätze des Rechtsstaates. Eine so definierte Immunität ist sehr problematisch unter dem Gesichtspunkt des Willkürverbotes.

Die Rechtsstaatlichkeit ist aber das unabdingbare Fundament einer freiheitlichen Demokratie. Sie vor der Unantastbarkeit von Führungsansprüchen herabzusetzen und zu erniedrigen, schafft ein politisch viel tiefgreifenderes und nachhaltigeres Sicherheitsrisiko als die Relativierung von aktuellen Machtstellungen und Entscheidungspositionen.

Das verfassungsmässig der Executive zugebilligte Notstandsrecht rechtfertigt nur die Schaffung einstweiliger, sachlich beschränkter und zeitlich befristeter Verhältnisse, nicht die Schaffung vollendeter und nicht rückgängig machbarer Tatsachen, weil ja die vollendete Tatsache jede zeitliche Befristung vereitelt und die sachliche Beschränkung unkenntlich und unüberprüfbar macht.
Die Schaffung vollendeter Tatsachen durch Notstandsrecht bzw. Notstandsverfügung oder Notstandsaktion ist ein klarer Missbrauch des Notstandsrechts. Sie kommt in ihrer politischen Qualität einem Staatsstreich beunruhigend nahe. Die Vernichtung von etwas ist endgültig und unumkehrbar.

Dass ein durch bloss durch eine in besonders hohem Masse von Fall zu Fall auslegungsbedürftige Generalklausel ermächtigtes Kollegium von sage und schreibe sieben Köpfen sich anmasst, ohne Mitwirkung und Kontrolle durch die übrigen Gewalten und ohne Gutachten fachlich ausgewiesener Experten  über die Gefährlichkeit bestimmter Informationen und Dokumente und deren Tragweite ohne jede Rechenschaftspflicht zu befinden und zu entscheiden, lässt vermuten, dass es in einer Art Putativnotstand (herbeigewünschte Notsituation) absolutistische Allüren höher schätzt als Pflichtbewusstsein und Bescheidenheit gegenüber der Verfassung, dem Recht und der Öffentlichkeit und gegenüber allen Aspekten - nicht nur den von ihnen selbstgefällig bevorzugten - der Sicherheit des Staates.

Es ist grotesk, zu glauben, die Executivgewalt sei in einer Demokratie allein berufen und kompetent, die Sicherheitsbedürfnisse des Staates zu definieren , darüber zu befinden und entscheiden.

Mit den Dokumenten werden auch wichtige Teile des kollektiven Vertrauens in die politischen Institutionen und Akteure zerfetzt.

 


2009-06-21

'Erfolg'

Von glaukothyr @ 19:31 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

Erfolg ist, was sich nach dem Erreichen des ursprünglich Angestrebten einstellt und was mit der Anstrengung für das Angestrebte nur sehr eingeschränkt zu tun hat.
Er ist die Reaktion der Umgebung auf das Erreichte, gleichgültig, ob die Anstrengung diesem der eigentlich etwas - vielleicht sogar ganz - anderem gegolten hat.
Er unterliegt einer eigenen Dynamik und entwickelt eigene Dynamiken, die nicht regelmässig und unabdingbar der Kontrolle dessen, dem er zuteil wird, unterliegt und unterstellt bleibt.

Der Erfolg wird als eigenständige Dynamik zur neuen und oft unerwarteten Herausforderung für den Erfolgreichen bzw. für das Erfolgreiche.
So gibt Erfolg oft ungefragt 'Recht', wo es eines solchen eigentlich nicht bedarf und auch, wo es sogar fehl am Platz ist. Begriffe, Bedeutungen und Werte können dadurch  so durcheinander geraten, dass die Wahrnehmung des Erfolgs etwas völlig Anderes wird als die Wahrnehmung des Erreichens und des Erreichten.                                                   

 


2009-06-15

Das Wesen der Systeme

Von glaukothyr @ 18:49 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]
Wo von Systemen die Rede ist, sind regelmässig  organisierte, normierte, legitimierte und institutionalisierte Illusionen bzw. Illusionskompositionen und Idealisierungen gemeint.
Alle Systemwirte wollen das aus ihrer Sicht "Richtige" und "Gute" und neigen, "wo und wenn es nicht anders geht" dazu, dieses durch mit "Naturgesetzlichkeiten" oder gar mit kosmischen Gesetzen gerechtfertigter Unerbittlichkeit und Grausamkeit erzwingen.
Kein System ist gut genug, nicht früher oder später dahin zu gelangen, dass "es nicht mehr anders geht".
Je häufiger ausser Grausamkeit keine andere Wahl mehr bleibt, desto näher rückt das System an seinen Zusammenbruch.


2009-05-25

Der Einzelne und seine Ohnmacht

Von glaukothyr @ 12:22 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

Post Scriptum zu einem Brief an eine Versicherungsagentur betreffend das systemische Symptom automatisierter Korrespondenz mit der Kundschaft, wie sie auch von Behörden und von privaten Dienstleistern mehr oder weniger sinnvoll und kundenorientiert gehandhabt wird.

P.S. (Zu Handen der Automatismusverantwortlichen)
Das Symptom automatisch, nach zu simpler Kriterienauswahl gerastert automatischer Informations- bzw. Korrespondenzauslösung ist ein allgemeines.
Es tritt auffällig häufig in Verhältnissen zwischen administrativ und ressourciell überlegenen, kollektivierend organisatorischen Systemen einerseits und dieser Kollektivierung wehrlos ausgesetzten und in Abhängigkeit gebrachten Individuen andererseits auf.

Der Nutzen dieser 'Informations'-automatismen ist im Verhältnis zum von diesen verursachten Verschleiss an materiellen wie immateriellen Ressourcen sehr oft - wenn nicht gar fast regelmässig - minim bis kontraproduktiv.
Die Fortsetzung solcher Verfahren im bisherigen Stil scheint wenig geeignet, Vertrauen in die Tauglichkeit der sie anwendenden Systeme zu schaffen.

Sie verstärkt den Eindruck auf Seiten der Vertrauensgeber, dass die Systeme auf Verdichtung der Abhängigkeit des Einzelnen von ihren Automatismen beruhen bzw. dieser Abhängigkeit für ihre 'ökonomische Selbstbehauptung' geradezu als Roh- und Treibstoff bedürfen. Das wiederum lässt eher erwarten, dass die Fortführung bisheriger Scheinrationalisierungen und zu simpel beurteilter Effizienzsteigerung weniger aus der währenden Krise hinaus denn noch tiefer in die Dekadenz kollektivierender Nutzenmaximierungskulte, auf Kosten individueller Autonomie, hineinführen.

 

 

 


2009-05-17

Vorsorge? Wozu oder wogegen denn?

Von glaukothyr @ 12:42 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

Wer zuviel der Vorsorge frönt oder sie gar zum Kult erhebt, sei's zum kollektiven oder privaten, hat schliesslich das unvermeidliche Nachsehen.
Er verausgabt seine Zukunft und wird irgendwann davon überrascht und enttäuscht, dass er samt seinem Vorgesorgten keine Zukunft mehr hat.
Das nimmt er dann zum Anlass, nach Schuldigen jedwelcher Art Ausschau zu halten, um sie zu jagen, zu plagen und auszurotten.
 
Der uneinsichtig von den Wirkungen seines Vorsorgekultes Enttäuschte macht sich die Ausrottung Schuldiger und der Schuld - die er für 'das Böse' hält -  'seinem Ebenbilde gleich', zur 'neuen' Zukunft bzw. zur scheinbaren Kompensation effektiv vertaner Zukunft.
 
Man kann aber nicht 'Böses' ausrotten, ohne Leben und Lebensvoraussetzungen zu zerstören oder gar unwiderbringlich zu vernichten.
 
Konsequenz aus der Ausrottung des 'Bösen' : Noch weniger Zukunft - und entsprechend immer weniger Anlass für 'Vorsorge' jedwelcher Art überhaupt. Es fehlt aber nicht nur an Anlass, sondern in peinlichem Grade auch an Kräften und Ressourcen dazu. Diese werden von hastigen, aus auf zwangsläufig als das nächstdringend Scheinende verkürzter Sicht beeinflusste Reaktionen auf gründlich und unerkannt seit langem schon Missratenes verzehrt.
 
Sind die Gejagten und Geplagten wehrlos und werden tatsächlich so sehr dezimiert, dass es wegen Mangels an Prügelknaben für die Jäger noch prekärer und zeitlich aussichtsloser wird, da diejenigen, die lange an den Nutzen, den Wert und gar die Unentbehrlichkeit des von den Jägern mit ihrer Jagd auf das Schädliche 'Geleistete' geglaubt - und deshalb auch einiges dafür erduldet - haben, ernüchtert und verspätet erkennen, wie sehr die Jäger vor allem für sich selbst gesorgt, ihre Beschäftigung gerechtfertigt und zum achtenswert scheinenden Beruf gemacht haben, dagegen vom Allgemeinwohl, das es nicht gibt (vor allem nicht auf Kosten Wehrloser, Gejagter und Geplagter), das sie aber zu wahren und in dieser Art wahren zu müssen vorgaben, keine Ahnung hatten.

Sind aber die Gejagten stark genug, sich zu wehren, werden sie irgend wann einmal selber zu Jägern auf die sie Jagenden und Plagenden. - Worauf das dann hinausläuft, bedarf keiner weiteren Erörterung. Die Medien berichten ausführlich und gründlich falsch darüber.

 

2009-05-10

Muttertag

Von glaukothyr @ 13:55 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

Eine unbestimmte und doch beachtliche Zahl von Müttern ist fest entschlossen, alles zu tun und zu unternehmen, damit die Welt für ihre Kinder eine bessere werde - und beginnen damit bei ihren Kindern, statt bei sich selbst. So lehren sie unbedacht ihre Kinder, mit dem 'gut' Gemeinten und nicht zu Ende Gedachten bei den Andern zu beginnen und es andern aufzuzwingen statt es selbst zu riskieren und zu tun.

Sie halten ihre Sehnsucht für die Welt und sich selbst als dieser enthoben. Sie meinen, zu wissen, was unter keinen Umständen zuzulassen sei - und das ist alles, was ihrem Traum und Bild von der 'besseren' Welt widerspricht, ohne zu fragen, welchen Anteil sie selber daran haben, dass die Welt nicht so ist wie sie meinen, dass sie sein müsste.

Sie opfern die Freiheit und die Lebensfreude ihrer Kinder auf den Altaren ihrer erträumten und ersehnten Götter.


2009-04-27

Schöpfungen, Paradiese und ...

Von glaukothyr @ 12:42 [ 013 Teilchenbeschleuniger ]

... 'die' Gründe für deren 'Endlichkeit'

Die guten 'Ratschläge' und 'weisen Sprüche' vor märchenhaft schönen Kulissen im PPS-Format haben Hochkonjunktur. Das Süsse soll über das Bittere siegen.
Jeder Rat einzeln ist sehr sinnig, jede dieser Weisheiten gründet - für sich allein genommen - unendlich tief. Alle zusammen zusammengerührt sind ein bisschen viel und können in der Praxis einander ganz schön in's Gehege kommen.
Sie können auch dazu verleiten, das Hässliche und Unangenehme (Verantwortung, Augaben) auf Andere - in der Regel Schwächere - abzuschieben, wie es ja auch auf vielen Ebenen der Wirtschaft und Politik sehr auffällig geschieht.
Die regelmässig absolute, bedingungslose Formulierung dieser Weisheiten unterstützt ungewollt Denkformen wie :
"Wenn nur dieses so und so und dafür jenes nicht mehr wäre, wäre Alles für Alle und immer gut, könnten alle politischen, wirtschaftlichen und medizinischen Probleme der 'Menschheit' für alle Zeiten gelöst sein."
Solche Denkformen scheinen bestechend einfach und unwiderlegbar, ihre Umsetzung in eine nachhaltig ('ein für alle Mal') und bis in's kleinste perfekt wirkende Praxis artet regelmässig in totalitäre Eskapaden aus.
 
Alle Ratschläge dieser Art haben nur bedingte Geltung, etwa (nur als schematische Vorschläge zu verstehen):
  • Es ist richtig, sich Zeit zu nehmen, wenn das nicht auf Kosten der Zeit Anderer geht.
  • Es st schön, Pläne zu haben, wenn man weiss, wozu.
  • Es ist gut, dankbar zu sein, wenn man sich Rechenschaft gibt, wem wofür.
  • Es ist erquickend, andere zum Lachen zu bringen, wenn man begreift, worüber.
  • Es ist verdienstvoll, andern Hoffnung zu machen, wenn man offenlegt, worauf.
Der Grundtenor solcher absolut formulierter Ratschläge und 'Weisheiten' in ihrer Gesamtheit verheisst ein 'Paradies', das letztlich auf sich selbst beruht, sich selbst befriedigt und genügt und sich mangels schöpferischer Impulse erschöpft. Das ist dann der Punkt, wo 'Erkenntnis' verlockend wird, weil 'Leben' ohne schöpferische Auslösungen und mangels Bewegung zum für das Lebendige unerträglich todgleichen Zustand wird.
Das Paradies gerät unerwartet in Widerspruch zur Schöpfung.
 
In Wahrheit war die 'Vertreibung aus dem Paradies' keine Vertreibung sondern ein provozierter Aufbruch aus dem Paradies, zu verstehen als Fortsetzung der Schöpfung und als deren Eintritt in einen endlosen, dem Schöpfenden entgleitenden und - mehr oder weniger plötzlich (big bang!) - entwachsenden Evolutionsprozess.
(Es gibt auch nicht 'die Schöpfung' sondern deren unendlich Viele von vielen grösseren und kleineren 'Schöpfern' in wachsender Zahl).

 

 

 


Posts  1 - 10 /237